Fleischsaftgarung für Premium-Trockenfutter

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Hundebesitzer achten immer stärker darauf, was ihr Vierbeiner zu Fressen bekommt. Die einfachste Fütterungsart ist Trockenfutter.

Ist Trockenfutter gut für den Hund?

So einfach die Fütterung mit Trockenfutter auch ist, bei der Auswahl sollten sich Hundebesitzer nicht von hübschen Verpackungen mit schmackhaft aussehenden Abbildungen von Fleisch, Nutz- oder Wildtieren und plakativ präsentierten hohen Prozentzahlen beeinflussen lassen.

Beschäftigt man sich mit der Deklaration auf der Verpackungsrückseite, lässt sich häufig erkennen, dass gar kein oder nur wenig Frischfleisch eingesetzt wird, sondern Fleischmehle oder andere Formen tierischer Proteine. Entscheidend für das in Trockenfutter verwendbare Frischfleisch ist die Herstellungsmethode.

Herkömmliche Methoden, wie das Extrusionsverfahren, lassen einen hohen Frischfleischanteil technisch nicht zu. Ein Alternative dazu bietet die Fleischsaftgarung, eine Zubereitungsmethode von Frischfleisch. Wir haben uns mal intensiv mit diesen beiden Verfahren beschäftigt, nachfolgend die Ergebnisse unserer Recherche.

 

Die übliche Herstellung von Trockenfutter

Die häufigste Herstellungsweise von Trockennahrung ist mit dem sogenannten Extrusionsverfahren. Verschiedene Zutaten (meist Fleischmehl oder tierische Proteine in getrockneter Form, eher selten Frischfleisch sowie Kohlenhydrate) werden mit Wasser bei sehr hoher Temperatur und einem hohen Druck zu einer formbaren Teigmasse umgewandelt, die anschließend durch Düsen gepresst wird.

Die aus den Düsen kommenden Stränge werden in kleine Stücke geschnitten, durchlaufen einen heißen Trockner, erstarren und werden so zu den bekannten Kroketten.

Viele Frühstückscerealien für Menschen, wie z. B. Getreide-Kissen oder Corn Flakes, werden auf die gleiche Weise hergestellt. Daher sind die Eigenschaften von extrudierten Frühstückscerealien und extrudiertem Trockenfutter weitestgehend vergleichbar.

Dazu gehört auch, dass extrudierte Cerealien und extrudiertes Trockenfutter in einer Flüssigkeit nicht sofort aufweichen.

Frühstückscerealien werden oft per Extrusion hergestellt. Wie die meisten Hundetrockenfutter auch. (Foto: shutterstock.com / digitalreflections)

Frühstückscerealien werden oft per Extrusion hergestellt. Wie die meisten Hundetrockenfutter auch. (Foto: shutterstock.com / digitalreflections)

Das dauert gewöhnlich eine Weile, wodurch genug Zeit bleibt, die Cerealien knusprig zu verspeisen. Diese Eigenschaft verzögert allerdings die Verdauung. Beginnen Cerealien und Trockenfutter schließlich Flüssigkeit aufzusaugen, vergrößert sich ihr Volumen, sie quellen auf. Im Magen führt das Aufquellen zu dessen Dehnung.

In einem von uns durchgeführten kleinen Test hat sich das Volumen von Hundefuttersorten aus dem Extrusionsverfahren um etwa das Doppelte vergrößert. Im Hundemagen entsteht hier also der typische Futterbauch.

Das kann insbesondere für größere Hunde gefährlich sein, denn die Volumenzunahme durch die Quellung des Futters wird als eine mögliche Ursache für Magendrehungen angesehen. Eine Magendrehung ist für den Hund ein lebensbedrohlicher Notfall.

Links in den Gläsern befindet sich extrudiertes Trockenfutter. Im rechten ist Nahrung aus der Fleischsaftgarung zu sehen. Bereits nach einer halben Stunde ist das extrudierte Trockenfutter stark aufgequollen. (Foto: Julia Ross)

Links in den Gläsern befindet sich extrudiertes Trockenfutter. Im rechten ist Nahrung aus der Fleischsaftgarung zu sehen. Bereits nach einer halben Stunde ist das extrudierte Trockenfutter stark aufgequollen. (Foto: Julia Ross)

Neben dem Aufquelleffekt ist auch der häufig hohe Anteil an Kohlenhydraten im extrudierten Trockenfutter nicht artgerecht, denn Kohlenhydrate werden von Hunden deutlich langsamer verdaut als Fleisch. Extrudiertes Trockenfutter mit vielen Kohlenhydraten verbleibt somit länger als nötig im Hundemagen, die Futterruhe dauert länger und – wenn der Hund sich zu früh mit vollem Magen bewegt – steigt auch so das Risiko der Magendrehung.

Das Extrusionsverfahren hat bei der industriellen Herstellung von Hundetrockenfutter zusätzlich das Problem, dass wenn mit Frischfleisch gearbeitet werden soll, dem Fleisch in einem vorgelagertem Produktionsschritt nährstoffreicher Fleischsaft sowie natürliches Fleischfett entzogen werden muss, um eine für die Extrusion geeignete Masse zu erhalten.

Da schon eine geringe Menge dieser Masse die Herstellung mit dem Extruder erschwert, kommt in der Regel – wenn überhaupt – nur wenig davon zum Einsatz.

Stattdessen wird meistens mit z. B. Fleischmehlen oder anderen Formen von tierischen Proteinen gearbeitet, die aufgrund ihrer standardisierten Form gut vom Extruder verarbeitet werden können.

Unter wenig oder keinem Frischfleisch leidet neben den Nährstoffen das Aroma, so dass oft im nachgelagerten Prozess Geschmack, z. B. in Form von Fett, auf die Kroketten gesprüht wird.

Fleischsaftgarung für einen höheren Fleischanteil

Für Trockennahrung aus Fleischsaftgarung wird Frischfleisch direkt und ohne Zugabe von Wasser, nur im eigenen nährstoffreichen Fleischsaft, über einen langen Zeitraum bei niedriger Temperatur gegart.

Die Entwicklung dieser Methode fußt auf Zubereitungstechniken menschlicher Nahrung und wurde dann an die natürlichen Nahrungsbedürfnisse des Hundes angepasst.

  • Bei der Fleischsaftgarung

    wird Frischfleisch direkt und ohne Zugabe von Wasser, nur im eigenen Fleischsaft, über einen langen Zeitraum bei niedriger Temperatur gegart.

  • Beim Extrusionsverfahren

    werden verschiedene Zutaten (meist Fleischmehl oder tierische Proteine in anderer Form, Kohlenhydrate etc.) mit Wasser bei sehr hoher Temperatur und einem hohen Druck zu einem formbaren Teig umgewandelt, den man anschließend durch Düsen presst.

Fleischsaftgegarte Nahrung quillt aufgrund des hohen Frischfleischanteils und der besonderen Zubereitungsmethode, die den Fleischsaft erhält, im Magen des Hundes nicht auf, es entsteht also kein Futterbauch. Und da der Organismus des Hundes als Fleischfresser auf Fleisch ausgelegt ist, kann er die Nahrung sehr gut verwerten und schnell verdauen.

Durch die bei der Fleischsaftgarung u. a. angewendete Kochtechnik des Reduzierens wird der nährstoffreiche Fleischsaft des Frischfleisches konzentriert, so bleibt der Geschmack auf natürliche Art und Weise erhalten.

Somit muss beim Geschmack nicht künstlich nachgeholfen werden. Der Fleischsaft, der die gesamte Restfeuchte in der Nahrung ausmacht, macht auch die Kroketten kaubar-weich.

 

Fleischsaftgarung vs. Extrusionsverfahren

Die beiden Herstellungsverfahren beeinflussen, neben direkten Auswirkungen nach dem Fressen, die Gesundheit des Vierbeiners. Grundsätzlich gilt natürlich: Je mehr frisches Fleisch, desto besser. Aber neben fehlendem Frischfleisch haben z. B. auch zu viele Kohlenhydrate negative Auswirkungen auf den Hundekörper.

Wir haben Bewertungskriterien festgelegt und uns bei deren Auswahl daran orientiert, was Hundehaltern an Trockenfuttern besonders wichtig ist. Unsere Quellen dafür waren Amazon und Trusted Shops. Nachdem wir die Bewertungskriterien Nährstoffe, Geschmack, Verdauung und Nahrungsverwertung sowie Zähne festgelegt hatten, begannen wir mit unserer Recherche.

Hier ist das Ergebnis:

  1. Nährstoffe

    Wir möchten an dieser Stelle nicht darüber spekulieren, ob Trockenfutter aus der Extrusion oder Trockennahrung aus Fleischsaftgarung unsere Hunde besser mit allen Nährstoffen versorgt. Wir vergleichen die beiden Herstellungsverfahren und ziehen unsere Rückschlüsse.

    Dabei ist uns aufgefallen, dass die Fleischsaftgarung unter niedrigeren Temperaturen erfolgt, als das Extrusionsverfahren. Niedrige Temperaturen schonen gewöhnlich die Nährstoffe und führen damit zu einem geringen Nährstoffverlust. Dementsprechend bewahrt die Fleischsaftgarung die natürlichen Nährstoffe besser als das Extrusionsverfahren.

  2. Geschmack

    Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Daher schauen wir uns an, was Fleischsaftgarung und Extrusionsverfahren für den Geschmack tun.

    Wie bereits festgestellt, benötigt die Extrusion höhere Temperaturen als die Fleischsaftgarung. Hohe Temperaturen vernichten bekanntlich Aromen. Hinzu kommt, dass Fleischmehl im Vergleich zum Frischfleisch kein oder kaum Fett enthält. Das wurde dem Fleisch bei der Umwandlung in Fleischmehl entzogen.

    Fett ist jedoch ein Geschmacksträger. Daher wird häufig am Ende der Extrusion von Trockenfutter etwas Fett auf die fertigen Kroketten (Pellets) gesprüht.

Ein Quelltest zeigt: Auch nach einer Stunde im Wasserglas ist Futter, das mit der Fleischsaftgarung hergestellt wurde, nicht aufgequollen. (Foto: Julia Ross)

Ein Quelltest zeigt: Auch nach einer Stunde im Wasserglas ist Futter, das mit der Fleischsaftgarung hergestellt wurde, nicht aufgequollen. (Foto: Julia Ross)

Fleisch, das für die Herstellung von Trockenfutter verwendet wird, lässt sich so unterteilen

  1. Frischfleisch

    Frischfleisch bringt in die Hundenahrung alle enthaltenen natürlichen Nährstoffe und Fette ein. Das ist wie in der Küche. Da arbeitet auch keiner mit Fleischmehlen.

  2. Fleischmehl

    Wird frischem Fleisch und Fleischabfall unter großer Hitze der nährstoffreiche Fleischsaft und der Geschmacksträger Fett entzogen, erhält man Fleischmehl. Nicht so lecker und nährstoffreich wie Frischfleisch.

  3. Kein Fleisch

    sind alle Proteine, wie Geflügelprotein, und alle Mehle ohne das Wort Fleisch, wie Geflügelmehl

Die Fleischsaftgarung ist eine Kombination ausgewählter Zubereitungstechniken, die auch Spitzenköche verwenden, um Frischfleisch durch den Fleischsaft schmackhafter und auch gesünder zuzubereiten. Eine der ausgewählten Zubereitungstechniken ist die Kochtechnik des Reduzierens.

Wir haben eine ungefähre Vorstellung dieser Kochtechnik und lesen zur Bestätigung auf Wikipedia, dass Reduzieren in der Küche das Einkochen bezeichnet, um so den Geschmack zu intensivieren. Durch die im Fleischsaft enthaltenen Stoffe tritt dabei auch eine Bindung ein, was Trockennahrung aus Fleischsaftgarung kaubar-weich macht.

Zusammengefasst konzentriert die Fleischsaftgarung den Fleischgeschmack durch die Kochtechnik des Reduzierens. Das kennen wir vom Sonntagsbraten und das gefällt uns. Daher ziehen wir die Fleischsaftgarung auch beim Geschmack dem Extrusionsverfahren vor.

Hier ist anschaulich dargestellt, wie das Futter nach unterschiedlichen Quellzeiten aussieht. (Foto: Julia Ross)

Hier ist anschaulich dargestellt, wie das Futter nach unterschiedlichen Quellzeiten aussieht. (Foto: Julia Ross)

Verdauung und Nahrungsverwertung

Was gibt es Sichtbares über die Verdauung und Verwertung zu sagen? Nun, bei unseren Büroterriern deutet beispielsweise eine kurze Futterruhe auf eine schnelle Verdauung hin.

Für uns Menschen im Büro wäre das in etwa so, als wenn wir einen sättigenden Salat zum Mittag essen, was uns geistig wach und körperlich fit hält. Das Gegenteil wäre ein Völlegefühl, uns bekannt, zum Beispiel nach dem Weihnachtsbraten, wenn wir uns matt und müde fühlen. Zu Weihnachten ist uns dieses Gefühl durchaus willkommen.

Auch Haufengröße, Haufenkonsistenz und Geruch geben Hinweise auf die Verdauung und Verwertung. Grundsätzlich gilt: Ein großer Haufen deutet auf eine schlechte Nahrungsverwertung hin. Weicher Kot kann an einer schlechten Verdauung liegen. Ein besonders unangenehmer Geruch kann schädliche Bakterien als Ursache haben.

Unsere Redaktionsterrier haben über einen längeren Zeitraum nur Trockennahrung aus Fleischsaftgarung erhalten. Dabei hat sich unsere Rechercheschlussfolgerung bestätigt.

Nach dem Fressen waren sie bei weitem nicht mehr so matt und müde wie noch zu der Zeit, als sie extrudiertes Trockenfutter erhielten. Die Kotmengen wurden ebenso deutlich kleiner als vorher, zudem formfester und die Stärke des Geruches nahm auch ab. Das gefällt uns!

Bei der Verdauung und Nahrungsverwertung geben wir alle Sterne der Fleischsaftgarung.

Das wissen die wenigsten: Kohlenhydrate im Hundefutter fördern die Zahnsteinbildung. (Foto: shutterstock.com / David Herraez Calzada)

Das wissen die wenigsten: Kohlenhydrate im Hundefutter fördern die Zahnsteinbildung. (Foto: shutterstock.com / David Herraez Calzada)

Zähne

An dieser Stelle müssen wir zuerst zwischen Mythos und Fakten unterscheiden. Wer schon einmal Zahnstein gehabt hat, der weiß, dass dagegen kein Bürsten hilft. Einzig der Zahnarzt kann mit speziellen Geräten die Verkalkung ablösen. Es ist uns daher ein Rätsel, warum sich so hartnäckig der Mythos hält, dass sich Zahnstein durch das Kauen der harten Kroketten aus extrudiertem Hundefutter lösen lässt.

Die traurige Ironie an diesem Märchen: Extrudiertes Hundefutter enthält oft einen hohen Anteil Kohlenhydrate, die eine Zahnsteinbildung und Zahnsteinausbreitung beschleunigen. Somit bewirken extrudierte Trockenfutter oft genau das Gegenteil von dem, was sich viele Menschen erhoffen – Zahnstein wird nicht entfernt, sondern gebildet!

Da Trockennahrung aus Fleischsaftgarung immer einen sehr hohen Anteil Fleisch und dementsprechend weniger Kohlenhydrate enthält, geben wir auch alle Sterne für dieses Bewertungskriterium an die Fleischsaftgarung.

 

Fazit

Die Ergebnisse unserer kleinen Recherche sind überaus spannend. Sie haben gezeigt, dass Trockennahrung aus Fleischsaftgarung die natürlichen Nährstoffe deutlich besser bewahrt als Trockenfutter aus dem Extrusionsverfahren.

Auch beim Geschmack dominiert die Fleischsaftgarung, weil die niedrige Zubereitungstemperatur viele natürliche Aromen erhält und das Reduzieren, eine Fleischsaftgarungstechnik, den natürlichen Fleischgeschmack verstärkt.

Bei der Verdauung und Nahrungsverwertung sieht es nicht anders aus. Trockennahrung aus Fleischsaftgarung quillt nicht im Magen auf und bewirkt somit keinen Futterbauch. Unsere Redaktionsterrier sind nach den Mahlzeiten nicht mehr so matt und müde wie früher, auch sind die Haufen kleiner geworden und der Geruch „besser“.

Ein großer Vorteil der Trockennahrung aus Fleischsaftgarung ist der sehr hohe Fleischanteil, wodurch weniger Kohlenhydrate enthalten sind. Das ist gut für die Verdauung, Verwertung, aber auch für die Zähne, denn ein niedriger Kohlenhydratanteil reduziert die Zahnsteinbildung und die Zahnsteinausbreitung.

Über den Autor

Julia Roß

Julia Roß ist noch neu im Team. Seit einigen Monaten hat auch sie eine Fellnase an ihrer Seite. Die kleine Fay ist ein Mix aus Beagle und Labrador und stellt seit ihrem Einzug die Welt ihres Frauchens auf den Kopf. Die Autorin studierte Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt und schreibt seither liebend gern über alles, was ihr Interesse weckt.

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