REAL NATURE WILDERNESS Nassfutter: drei Geschmacksrichtungen im Test

Real Nature Wilderness ist eine Eigenmarke von Fressnapf. Die WILDERNESS Sorten sollen dem Fressverhalten nachempfunden sein, das Wölfe in freier Wildbahn haben. Viel Fleisch, ganz wenig Kohlenhydrate und eine gesunde Portion Beeren und Früchte. Alle Sorten sind getreidefrei. Das klingt sehr gut, denn auch wenn immer wieder behauptet wird, Hunde sind domestiziert und haben sich komplett der Ernährung des Menschen angepasst, so ist das eher Wunschdenken als Realität. Das Gebiss und die Verdauungsphysiologie des Hundes haben sich in den Jahren nur ganz gering verändert. Beides ist dem des Wolfes sehr ähnlich geblieben.

Der Hund kann weder rein pflanzlich noch rein fleischlich ernährt werden. Bei einer reinen Fleischfütterung würde der Hund an Nährstoffmangel leiden, eine rein pflanzliche Ernährung würde in freier Wildbahn zum Verhungern führen, da der Hund die pflanzliche Ernährung nicht verdauen kann. Diese Verdauungsprobleme entstehen vor allem durch den kurzen Magen-Darm-Trakt.

Das Gebiss des Hundes

Der Hund hat Reißzähne um ein Beutetier zu reißen und zu töten, sowie größere und kleinere Brocken von den Knochen zu reißen. Seine Backenzähne dienen der groben Zerkleinerung der Fleischbrocken. Eben diese Backenzähne können aber nicht mahlen, so wie es die Zähne von Pflanzenfressern tun. Der Hund ist überhaupt nicht in der Lage, Pflanzen verdaulich zu verarbeiten. Deshalb fressen Wölfe die Eingeweide ihrer Beutetiere, da dort die Pflanzen bereits in verdauliche Nahrung umgewandelt sind.

Der Speichel des Hundes

Der Hund hat keine Verdauungsenzyme im Speichel, so wie sie Menschen und auch Pflanzenfresser haben. Sein Speichel dient lediglich zur Anfeuchtung für die Brocken, damit diese besser in den Magen rutschen können. Außerdem fehlt dem Speichel das Zucker spaltende Enzym Amylase.

Real Nature Wilderness Nassfutter in den Sorten Pure Turkey, Open Prairies und Deep Forest

REAL NATURE WILDERNESS Open Prairies und REAL NATURE WILDERNESS Deep Forest lassen nur Spekulationen über den Inhalt zu. Wobei andere Hersteller wie Wolfsblut auch mit Phantasienamen arbeiten. Daran ist nichts auszusetzen, es weckt eher das Interesse, sich die Verpackung genauer anzusehen. Auf der Verpackung sieht man aber auch gleich das verwendete Fleisch, das sollen jeweils 95% sein und 5 % Gemüse & Kräuter, dafür aber 0% Getreide. Für ein Nassfutter wäre der Fleischanteil sehr hoch, in der Regel liegt dieser bei 60 bis 70%. Deshalb werde ich die Inhaltsangaben näher überprüfen, ob tatsächlich so viel Fleisch enthalten ist.

Bild 1: Die drei getesteten Sorten REAL NATURE WILDERNESS Nassfutter: Pure Turkey, Open Prairies und Deep Forest.

Bild 1: Die drei getesteten Sorten REAL NATURE WILDERNESS Nassfutter: Pure Turkey, Open Prairies und Deep Forest.

Inhaltsangaben REAL NATURE WILDERNESS Pure Turkey

70 % Pute (aus Herzen, Lebern, Fleisch, Hälsen, Mägen), 25 % Putenfleischbrühe, 1,7 % Süßkartoffeln, 1,5 % Kürbis, 1 % Mineralstoffe, 0,3 % Lachsöl, 0,2 % Löwenzahn, 0,1 % Schafgarbe, 0,1 % Brennnessel, 0,1 % Weißdornblätter, sowie Vitamine und Spurenelemente

Analytische Bestandteile

Protein: 11,9 %, Fettgehalt: 7,5 %, Rohasche: 2,6 %, Rohfaser: 1,3 %, Feuchtigkeit: 74 %

Bild 2: REAL NATURE WILDERNESS Pure Turkey

Bild 2: REAL NATURE WILDERNESS Pure Turkey

Inhaltsangaben REAL NATURE WILDERNESS Open Prairies

50 % Rind (aus Herzen, Fleisch, Lungen, Lebern), 25 % Rinder- und Kängurufleischbrühe, 20 % Känguru (aus Herzen, Lungen, Lebern), 3,2 % Aprikosen, 1 % Mineralstoffe, 0,3 % Lachsöl, 0,2 % Löwenzahn, 0,1 % Schafgarbe, 0,1 % Brennnessel, 0,1 % Weißdornblätter, sowie Vitamine und Spurenelemente

Analytische Bestandteile

Protein: 12,5 %, Fettgehalt: 5,5 %, Rohasche: 2,6 %, Rohfaser: 0,8 %, Feuchtigkeit: 74 %

Inhaltsangaben REAL NATURE WILDERNESS Deep Forest

45 % Wildschwein (aus Herzen, Lungen, Lebern, Fleisch), 25 % Hirsch (aus Herzen, Lungen, Lebern, Fleisch), 25 % Wildschwein- und Hirschfleischbrühe, 3,2 % Äpfel, 1 % Mineralstoffe, 0,3 % Lachsöl, 0,2 % Löwenzahn, 0,1 % Schafgarbe, 0,1 % Brennnessel, 0,1 % Weißdornblätter, sowie Vitamine und Spurenelemente

Analytische Bestandteile

Protein: 12,4 %, Fettgehalt: 5,3 %, Rohasche: 2,56 %, Rohfaser: 0,8 %, Feuchtigkeit: 74 %

Positiv ist, dass den Nassfuttersorten tatsächlich kein Getreide beigemischt wird. Jedes Nassfutter besteht zu 25 % aus Fleischbrühe. Wasser oder mit Wasser verdünnte Fleischbrühe geben viele Hersteller in ihr Nassfutter. Es spricht aber nicht gerade für eine hohe Qualität. Schließlich ist dies das künstliche Hinzufügen von Wasser, um den Feuchtigkeitsgehalt des Nassfutters zu erhöhen – und wohl vor allem um den Inhalt künstlich zu strecken. Nur hat das natürlich bezüglich des Nährwerts des Nassfutters keinerlei Vorteile.

Außerdem stimmt somit die Angabe auf der Verpackung nicht. 95% Fleisch werden also nicht verwendet, 25% kann man schon einmal abziehen. Somit sind wir bei 70% Fleisch, was auch der Fleischmenge anderer Nassfutter-Hersteller entspricht. Der Fleischanteil wird zwar jeweils in Prozent angegeben, aber dann nicht genauer aufgeschlüsselt. Wieviel Prozent zum Beispiel Leber und Herz, oder Lunge ausmacht kann ich nicht ermitteln. Auch nicht wie hoch der tatsächliche Fleischanteil ist. Von Muskelfleisch ist leider gar nicht die Rede. Der Anteil an Gemüse und Obst könnte ruhig auch ein wenig höher sein. Wenn dafür die Brühe wegfallen oder sich reduzieren würde, wäre das prima. Da nun die Inhaltsstoffe klar sind, gehen wir zum Praxistest über.

Bild 3: Maika testet REAL NATURE WILDERNESS Open Prairies.

Bild 3: Maika testet REAL NATURE WILDERNESS Open Prairies.

Der REAL NATURE WILDERNESS Praxistest

Das Nassfutter riecht leider genauso wie viele andere Nassfutter Sorten. Definitiv ein Geruch, den man nicht im Kühlschrank stehen haben möchte. Die meisten Hunde mögen auch Futter was stinkt. Unsere Hunde aus dem Tierschutz sind da überhaupt nicht wählerisch. Hauptsache etwas kommt in den Magen. Einmal Hunger gelitten bleibt ihnen ein Leben lang in der Erinnerung. Bei diesen Hunden erkennt man ein mangelhaftes Futter meist an der Verträglichkeit. Häufig ist der Kotabsatz nicht mehr gut und es kommt zu breiigem Stuhlgang bis hin zu Durchfall. Manchmal erbrechen sie das Futter auch. Aber auch das muss nicht als Nebenerscheinung auftreten. Viele Probleme durch mangelhaftes Futter stellen sich erst später heraus und beeinträchtigen die Gesundheit der Hunde.

Video „Hundeernährung: Hunde richtig füttern“

Der Geruch ist bei allen drei Sorten gleich

Merkwürdig ist, dass alle drei Sorten komplett gleich riechen – obwohl Pute, Rind, Fisch, Wildschwein und Hirschfleisch enthalten sind. Diese Fleischsorten unterscheiden sich normalerweise schon deutlich im Geruch. Maika und Yakari haben das Futter getestet. Yakari unser Gourmet. Er hat nur daran gerochen und ist wieder gegangen. Maika hat das Futter wie erwartet gefressen. Ich glaube auch nicht dass es irgendein Futter auf dieser Welt gibt, was sie nicht anrührt.

Mich persönlich schreckt der Geruch ab. Ich finde, ein gutes Nassfutter kann auch einen angenehmen Geruch haben. Die Fleischbrühe finde ich überflüssig. Hochwertige Nassfutter – wie zum Beispiel PLATINUM – geben auch kein zusätzliches Wasser hinzu. Auf unserem Speiseplan wird das REAL NATURE WILDERNESS Nassfutter nicht landen, obwohl es deutlich günstiger als andere Nassfutter-Sorten ist. Aber wie immer sollte jeder selbst testen, welches Futter zum eigenen Hund passt.

Resümee: Die Idee klingt gut, ein Produkt anzubieten, das dem Fressen in der Natur nahe kommt. Leider konnte es nicht wirklich überzeugen, das REAL NATURE WILDERNESS. Der Geruch ist dabei sicher ein Problem, wobei das meiste Nassfutter für Hunde keinen angenehmen Geruch verströmt. Aber merkwürdig erscheint auch, dass alle drei getesteten Dosen ähnlich riechen. Schließlich reicht das Spektrum vom Fisch über Pute bis hin zu Wildschwein, eigentlich Sorten mit ganz eigenen Nuancen. In diesem Fall hat die „Wild“-Variante also nicht überzeugt und erscheint eher als guter Marketing-Einfall. Aber andere Tester oder Hunde können das vielleicht nicht bestätigen.

Wer seinen Hund wirklich „wild“ ernähren möchte, kann es ja einmal mit dem Barfen versuchen, das in den letzten Jahren immer populärer wurde. Hier bekommt der Hund in Form von Innereien, Knochen und Fleisch eine Ernährung ähnlich wie der Wolf. Der Begriff kommt übrigens ursprünglich aus dem Englischen Bones And Raw Food und wird eingedeutscht inzwischen mit Biologisch Artgerechte Rohes Futter übersetzt. Barf kann man selbst zubereiten oder auch fertig einkaufen, aber eher in speziell danach ausgerichteten Läden und nicht beim Discounter. Ist es sinnvoll zu Barfen? Zumindest weiß der Halter viel genauer, was das Tier bekommt. Das ist gerade bei allergisch reagierenden Tieren sehr wichtig. Trotzdem muss auch beim Barfen gewährleistet sein, dass das Tier alle wichtigen Nährstoffe wie Fette, Kohlehydrate oder Proteine zu sich nimmt. Da kann schnell zu viel oder zu wenig davon verfüttert werden. Nur Fleisch und Knochen sollte man deshalb auf keinen Fall verfüttern! Mineralstoffe und Vitaminzusätze müssen hingegen fast immer zugegeben werden. Was genau rein muss, kann ein erfahrener Hundezüchter, der selber mit Barf füttert, bestimmt erläutern. Im Zweifel kann natürlich auch der Tierarzt für eine Konsultation herangezogen werden.

Achtet man auf die richtige Zusammensetzung der Ernährung, spricht nichts gegen das Barfen. Aber es sollte stets darauf geachtet werden, hygienisch absolut einwandfreie Fleischprodukte zu verfüttern. In rohem oder stark verkleinerten Fleisch (ähnlich wie beim Hackfleisch) entwickeln sich schnell Krankheitserreger. Das betrifft manchmal nicht nur Hunde, generell sind Kinder oder Menschen mit chronischen Erkrankungen einem höheren Risiko für Infektionen ausgesetzt. Auch Tipps im Internet zum Barfen sind häufig mit Vorsicht zu genießen. Viele Hundebesitzer sind deshalb verwirrt, wie und auch in welcher Menge jetzt nun idealerweise gebarft wird. Das nämlich hängt wieder von den individuellen Bedürfnissen des Hundes ab. Wie alt ist das Tier und wie viel bewegt es sich? Gibt es Vorerkrankungen, die berücksichtigt werden müssen? Erst wenn das geklärt ist, kann die richtige Menge bestimmt werden. Ein Zuviel und ein zuwenig an Nahrung ist selten günstig für das Tier. Eine Faustregel lautet: Täglich ungefähr 2 Prozent des Körpergewichts bei einem gesunden und ausgewachsenen Hund verfüttern. Ist der Bedarf höher, können es schon einmal 4 Prozent sein.


Bildnachweis: alle © Schwarzer.de

Über Bianca Brendel

Bianca Brendel

Ich bin seit 30 Jahren Hundebesitzerin und habe in den ganzen Jahren sehr viel über Hunde, deren Ernährung, Erziehung und Pflege gelernt. Jetzt bin ich in der Redaktion von haustier-news.de als Fachauthorin tätig und versuche, allen Hundebesitzern und Besuchern von haustier-news.de die oben genannten Themen ans Herz zu legen.

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