Hundefutter Skandal

Ein Hundefutter-Skandal geistert regelmäßig durch die Presse. Was wandert ins Hundefutter rein? Wird Hundefutter in Restaurants auf den Tisch gebracht? Ist ein Hundefutter-Hersteller anders in Verruf geraten? Was steckt dahinter? Dem Stern darf man eine seriöse Recherche in einem Hundefutter-Skandal unterstellen. Wie glaubwürdig sind andere Informationsquellen? Wir haben mal das Thema Hundefutter-Skandale recherchiert und Fakten und Videos zusammengetragen und geben die Quellen bekannt. Bitte lesen und urteilen Sie selbst.

Futtermittel-Skandal in Spanien: Stern berichtet von Hundekadavern im Hundefutter

Was geschieht mit toten Hunden in Spanien? Was steckt wirklich im Futter, das wir unseren Hunden und Katzen jeden Tag guten Gewissens vorsetzen? Am 9. April 2013 um 16:50 Uhr berichtet der Stern über spanische Ermittlungen, in deren Mittelpunkt eine private Tierkörperverwertungsanlage in der Nähe von Salamanca steht. Das Unternehmen stellt unter anderem Fette und Tiermehl für Trockenfutter her. Geliefert werden die Produkte angeblich an Unternehmen in Spanien, den Niederlanden und Portugal.

K3-Material

Die Täter sollen tote Haustiere und Straßenhunde gesammelt haben, die verbrannt werden sollten. Stattdessen sollen sie jedoch zu Tierfutter weiterverarbeitet worden sein. Das wiederum ist nicht zulässig. Nach der EU-Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 (Verordnung über tierische Nebenprodukte) dürfen im Rahmen der Tierkörperverwertung der Wirtschaft nur bestimmte Tierkörper von Hunden und anderen Haustieren für die Futtermittelproduktion verwendet werden, es ist das sogenannte K3-Material.

Die EU-Verordnung teilt Tierkörper („Material“) in drei Kategorien ein.

Kategorie 1

Die Kategorie 1 befasst sich mit Tierfleisch mit dem höchsten Risiko. Dies betrifft kranke, verendete Tiere und solche, Tiere, die aus Krankheitsgründen getötet wurden. Auch Tiere, die mit Chemikalien und anderen Stoffen verseucht sind sowie Versuchstiere. Dabei werden nicht zwischen Haustieren, Wildtieren oder Nutztieren unterschieden. Eine Wiederverwertung solcher Tiere ist verboten und seit dem 1. Juli 2008 muss solches Material sogar gekennzeichnet (Glycerintriheptanoat, auch GTH genannt) und in speziellen Behältnissen transportiert werden.

Kategorie 2

Die Kategorie 2 umfasst Material – also sowohl Fleisch als auch Nebenprodukte – mit einem geringeren, aber doch vorhandenen Risiko. Die Tiere der Kategorie 2 sind keine geschlachteten, jedoch getötete Tiere und darüber hinaus auch tierische Nebenprodukte wie zum Beispiel auch Milch. Dazu zählt auch importiertes Material, welches nicht ausreichend kontrolliert wurde und Tierprodukte mit Medikamentenrückständen.

Kategorie 3

Das Material in der Kategorie 3 darf ausschließlich zu Tierfutter verarbeitet werden oder zur Kompostierung oder Biogasherstellung kommen. Hierunter fallen Abfälle und Nebenprodukte aus Schlachtbetrieben aber auch Abfälle aus Küchen, frischer Fisch und dessen Nebenprodukte sowie nicht mehr verzehrbare Lebensmittel tierischen Ursprungs oder Tierteile, die nicht mehr verwendet werden können. Hier gab und gibt es immer wieder Skandale rund um das K3-Material. In Deutschland gibt es auch Vorschriften, die eine Verfütterung bestimmter Materialien an Wiederkäuer, Pferde und zur Lebensmittelgewinnung dienende Tiere verbieten. Immerhin sorgte die Politik so für eine Eingrenzung der Risiken nach dem BSE-Skandal.

Aber zurück nach Spanien. Haustiere und auch an Krankheiten verstorbene Tiere fallen in die Kategorie 1 und dürfen nicht für die Tierfutterherstellung verwendet werden. Genau das aber soll geschehen sein. Hier sollen Tierkadaver von Haustieren und Straßen-Hunden nicht verbrannt sondern zu Tierfutter weiterverarbeitet worden sein. Das Unternehmen musste bereits vier Jahre zuvor in einem ähnlichen Fall eine Strafe zahlen. Interessant im berichteten Fall: laut dem Stern fordert die dortige Polizei die lückenlose Aufklärung, während das Landwirtschaftsministerium von Spekulationen spricht. Die Handhabung des Falls in der Politik und in der Wirtschaft ist sehr fragwürdig.

Etwas provokant befragte der Stern Mars Petcare zu diesem Thema. Mars Petcare ist der größte deutsche Tiernahrungslieferant, der laut Stern unter anderem für die Futter-Marken Whiskas, Pedigree, Cesar, Royal Canin, Chappi oder Frolic tätig ist. Von dort war dann zu erfahren, dass Zulieferer strikt kontrolliert werden, so dass nur Rohmaterialien der zulässigen Kategorie verwendet werden.

Der Hundefutter-Skandal schlug damals auch in Spanien hohe Wellen. Hier zwei Artikel und Berichte:

Hundefutter-Skandal bei McDonalds: Starkoch Jamie Oliver greift an

Als hätte die Welt keine anderen Themen… Verarbeitet McDonalds minderwertiges Fleisch aus der Hundefutter-Produktion? Glaubt man Starkoch Jamie Oliver (genauer: James Trevor Oliver, seit seiner ersten Kochsendung auch „The Naked Chef“ genannt), dann ist es so. Am 30. November 2013 um 15:42 Uhr zitierte die „Stimme Russlands“ in ihrem Artikel den britischen Starkoch Jamie Oliver. Dieser hatte nämlich in seiner TV-Sendung „Jamie Oliver’s Food Revolution“ gezeigt, dass bei McDonalds Fleischreste (Fett, Haut und Innereien) gehackt und kommen anschließend in eine Ammoniumhydroxid-Lösung, um gewaschen zu werden. Jamie Oliver weist darauf hin, dass Ammoniumhydroxid (au-ch Salmiakgeist oder Ammoniakwasser genannt) gesundheitsschädlich ist. Die Videos zu diesem Thema machten im Internet die Runde und sorgte für Zugriffe, wie selten ein anderes Video.

Welche Auswirkungen hat Ammoniakwasser auf die Gesundheit des Menschen?

Gemäß Wikipedia ruft das Verschlucken von Ammoniumhydroxid heftige Schmerzen, Magenkatarrh, blutiges Erbrechen, Lungen- und Stimmschädigungen hervor, die oft tödlichen Ausgang haben und greift die Augen an. Angebliche Fachleute der Industrie behaupten, dass Ammoniumhydroxid in der Lebensmittelgewinnung unbedenklich sei und keine Gefahr für die Gesundheit darstelle. Andere bezweifeln das massiv. Jamie Oliver, verheirateter Vater von vier Kindern ( Daisy Boo Pamela Oliver, Petal Blossom Rainbow Oliver, Buddy Bear Maurice Oliver, Poppy Honey Rosie Oliver ) hat damals die Welt geschockt. Jamie Oliver ist bekannt für seine Koch-Videos zu leckeren Rezepte und sehr beliebt.

Was dran ist oder nicht: McDonalds hat Jamie Oliver jedenfalls zu diesem Thema nicht mit einer millionenschweren Klage überzogen. Auf jeden Fall hat Jamie Oliver so zu einem gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit auf Facebook, Twitter und in den klassischen Medien kommen können.

Royal Canin: Melamin im Hundefutter, große Rückrufaktion

Thema Rückruf-Aktion: im April 2007 ruft Royal Canin eine ganze Reihe von Trockenfuttern zurück. Was war der Grund dafür? Laut AHO wurde giftiges Melamin in Reisproteinkonzentrat aus China gefunden. Das Reisproteinkonzentrat wurde zur Herstellung von Trockenfutter verwendet. Damals wurden die Sorten

Royal Canin Veterinary Diet (Vertrieb über Tierärzte)

  • Hunde-Trockenfutter:
    • Canine Early Cardiac EC 22
    • Canine Skin Support SS21
  • Katzen-Trockenfutter:
    • Dry Cat Food Feline Hypoallergenic HP23

Royal Canin Sensible Choice (Vertrieb über den Zoofachhandel)

  • Hunde-Trockenfutter:
    • Chicken Meal & Rice Formula
    • Senior Lamb Meal & Rice Formula
    • Puppy Lamb Meal & Rice Formula
    • Adult Lamb Meal & Rice Formula
    • Senior Rice & Catfish Meal Formula Adult

Royal Canin empfahl, die Futtermittel sofort abzusetzen um die Gesundheit der Tiere zu schützen. Artikel darüber gab es damals in

Besonders spannend an diesem Thema: laut BELLUX spekulierten damals die Fachleute darüber, ob das Melamin möglicherweise sogar bewusst beigemischt wurde, um bei minderwertigen Produkten damit mal höhere Eiweißgehalte vorzutäuschen. Angeblich hat Dr. Stephen Sundlof, Chef-Veterinär der FDA (Food and Drug Administration) diese Theorie als plausibel bezeichnet. Zur Ehrenrettung von Royal Canin muss man sagen, dass Royal Canin erklärt hat, keine weiteren Lieferungen aus China (der Quelle des melaninverseuchten Rohmaterials) zu beziehen. Zumindest wurde so in der Firmen-Politik klar Stellung bezogen. Auch auf Facebook und Twitter ist es heute ruhiger geworden. Ein Video dazu gab es leider nicht.

Royal Canin: brutale Bärenkämpfe gesponsert

Im sechzehnten Jahrhundert waren in England brutale Bärenkämpfe ein beliebtes Spektakel. Bear-Baiting wurden sie genannt. Kleineren Braun- oder Schwarzbären wurden Krallen und Fangzähne entfernt. Die Tiere wurden mittels Nasenring oder Halskette an einen Pfahl in der Arena festgebunden. Anschließend hetzte man Hunde auf diese Bären, die die Bären an Kehle bzw. Hals oder Schnauze packen sollten. Diese Hatz von Hunden auf den Bären wurde Runde um Runde wieder holt, bis der praktisch wehrlose Bär erschöpft oder verendet war.

Am 23. Juli 2013 berichtete das Handelsblatt in einem Artikel darüber, dass die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat aufdeckte, dass die zu Mars Petcare gehörige Royal Canin in der Ukraine illegale und extrem brutale Bärenkämpfe sponserte. Ein schockierender Video-Clip im Bericht zeigt einen angeketteten Bären, der sich zweier Hunde erwehren muss, während im Vordergrund ein Band mit der Aufschrift „ROYAL CANIN“ prangt. Der Aufschrei, der mit diesem Artikel und Video durch die Welt von Facebook, Twitter & Co. ging, war gewaltig. Der Hundefutter-Skandal nahm Formen an und auch die FCI untersagte im August 2013 derartige Veranstaltungen.

Fazit: Jeder Hundefutter Skandal ist einer zuviel. Und falls sich bewahrheitet, dass renommierte Hersteller die Gesundheit von Haustieren gefährden, muss gehandelt werden. Eine kritische Öffentlichkeit trägt dazu bei, solche Missstände aufzudecken und in Zukunft hoffentlich zu vermeiden. Auf allen Kanälen sollte berichtet werden, wen stichhaltige Beweise vorliegen. In jedem Fall sollte jeder Hundefreund daran mitwirken, dass sich derartiges nicht wiederholt. Denn es ist unerträglich, wenn der vierbeinige Freund eventuell leidet, weil ein Konzern zur Produktion von Futter gefährliche Mittel einsetzt. Die Kosten, welche beim Tierarzt durch Behandlungen entstehen können, wären dabei nur das geringste Problem. Der große Vertrauensverlust in Hundefutter generell ist die eigentlich noch größere Schwierigkeit.


Bildnachweis: Titelbild: ©Shutterstock – Petr Jilek

Über Klaus Müller-Stern

Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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