Futtermenge berechnen: Mit dem Barfrecher bedarfsgerecht füttern

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Barfen liegt im Trend und hat vor allem den Grund, dass viele Hundebesitzer weg wollen von industriell gefertigter Hundenahrung. Doch was und wie viel muss ins Hundefutter? Die Futtermenge muss individuell berechnet werden.

Futtermenge berechnen: Verschiedene Faktoren sind zu berücksichtigen

Das Hundefutter soll ausgewogen sein, damit der Hund alles bekommt, was er braucht. Es soll gesund sein, möglichst natürlich und idealerweise einfach zu dosieren sein. Mit dem Barfrechner lassen sich zumindest die passenden Mengen der einzelnen Futterbestandteile berechnen. Doch Hundehalter müssen beachten, dass ein einmal angepasstes Hundefutter nicht ein Hundeleben lang ideal ist. Die Zusammensetzungen können sich je nach Alter, Aktivität oder Gesundheitszustand des Tieres verändern.

Davon ist die richtige Futtermenge abhängig

Die optimale Futtermenge hängt unter anderem vom Energiebedarf des Hundes, der wiederum durch das Alter, Geschlecht und die Aktivität des Tieres bestimmt wird, ab. Beim Barfen muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass Nährstoffdefizite ausgeglichen werden müssen.

Eine Schwierigkeit besteht darin, dass die Supplementierung eines Spurenelements Einfluss auf die Aufnahme anderer Spurenelemente haben kann. Rohe Eier als Eiweißquelle füttern? Damit wird jedoch Biotin inaktiviert, sodass Haut und Fell unterversorgt werden. Doch zurück zu richtigen Futtermenge, damit möglichst wenige Fehler beim Barfen passieren.

Die passende Futtermenge wird nach einer einfachen Formel berechnet. Man nehme zwei bis drei Prozent des Gesamtgewichts des Hundes und nutze das Ergebnis als Menge des Hundefutters. Doch damit wird nur ein Richtwert gegeben, der sich erhöht, wenn der Hund sehr aktiv ist. Ein sportlicher Hund, der beispielsweise Agility macht, braucht mehr Energie als die vierbeinige Couchpotato, deren Aktivität sich auf das zweimalige Gassigehen am Tag beschränkt.

Die optimale Futtermenge hängt unter anderem vom Energiebedarf des Hundes, der wiederum durch das Alter, Geschlecht und die Aktivität des Tieres bestimmt wird, ab. ( Foto: Shutterstock -  LightField Studios )

Die optimale Futtermenge hängt unter anderem vom Energiebedarf des Hundes, der wiederum durch das Alter, Geschlecht und die Aktivität des Tieres bestimmt wird, ab. ( Foto: Shutterstock – LightField Studios )

Doch auch weitere Faktoren spielen für den Nährstoff- und Energiebedarf des Hundes eine Rolle:

  • Das Alter des Hundes

    Ein junger Hund benötigt prozentual gesehen deutlich mehr Energie als ein altes Tier. Der Welpe bzw. Junior wächst noch und ist generell aktiver. Bei Welpen wird davon ausgegangen, dass diese bis zu sechs Prozent ihres Körpergewichts an Hundefutter benötigen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Energiebedarf. Ihre Fütterungsmenge muss so berechnet sein, dass das Tier das aktuelle Gewicht konstant halten kann (ohne Über- oder Untergewicht einzubeziehen). Der Stoffwechsel wird bei alten Hunden immer langsamer, dafür profitieren alte Hunde aber von Zusatzfuttermitteln, die gegen Gelenkbeschwerden helfen.

  • Größe und Gewicht des Tieres

    Nicht nur das Alter und die Aktivität, sondern auch die Größe und das Gewichts der Fellnase sind entscheidend für die passende Futtermenge. Es ist am besten, als Hundehalter das Idealgewicht des Hundes anzupeilen und dieses als Richtwert für die Berechnung der Fütterungsmenge zu nutzen. Die Rippen und Rückenwirbel des Hundes sollten leicht zu tasten, aber nicht zu sehen sein.

  • Die Rasse des Hundes

    Große Rassen brauchen deutlich mehr Futter als kleine Hunderassen und das sogar schon in der Welpenzeit. Allerdings kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein doppelt so großer Hund auch die doppelte Futtermenge benötigt.

  • Kastration

    Bei nicht allen, jedoch bei vielen Hunden sinkt der Energiebedarf nach der Kastration, was sich spätestens im gesetzten Alter von ca. fünf Jahren bemerkbar macht. Der Grund: Durch die Kastration werden der Hormon- sowie der Zellstoffwechsel direkt beeinflusst. So fehlt bei Hündinnen zum Beispiel das Hormon, welches für das Hungergefühl zuständig ist. Außerdem werden viele Tiere träger, sodass das Aktivitätslevel abnimmt und sie weniger Energie benötigen. Daher sieht man häufiger kastrierte Tiere, die ein mittleres bis deutliches Übergewicht haben.

    Bei nicht allen, jedoch bei vielen Hunden sinkt der Energiebedarf nach der Kastration, was sich spätestens im gesetzten Alter von ca. fünf Jahren bemerkbar macht. ( Foto: Shutterstock-   ESB Professional)

    Bei nicht allen, jedoch bei vielen Hunden sinkt der Energiebedarf nach der Kastration, was sich spätestens im gesetzten Alter von ca. fünf Jahren bemerkbar macht. ( Foto: Shutterstock- ESB Professional)

  • Fellwechsel des Tieres

    Der Fellwechsel ist ein natürlicher Vorgang, der dennoch viel Energie fordert. Hunde benötigen jetzt vor allem mehr essenzielle Fettsäuren, die über die zusätzliche Gabe von Lachsöl über das Hundefutter zugeführt werden können.

  • Trächtigkeit

    Eine trächtige Hündin benötigt verständlicherweise deutlich mehr Energie, muss sie doch die Welpen in ihrem Bauch und sich selbst ernähren. Dabei ist es nicht zwingend nötig, die Futtermenge deutlich zu erhöhen, eine moderate Anhebung der Menge ist ausreichend. Es kommt jetzt vor allem auf sehr hochwertige Futtermittel an und dabei wiederum auf gute Öle und energiereiche Zusätze. Beim Barfen ist besondere Vorsicht wegen Keimen und Bakterien geboten, die den Ungeborenen gefährlich werden können.

    Eine trächtige Hündin benötigt verständlicherweise deutlich mehr Energie, muss sie doch die Welpen in ihrem Bauch und sich selbst ernähren. ( Foto: Shutterstock- _Jan Dix )

    Eine trächtige Hündin benötigt verständlicherweise deutlich mehr Energie, muss sie doch die Welpen in ihrem Bauch und sich selbst ernähren. ( Foto: Shutterstock- _Jan Dix )

Die richtige Futtermenge beim Barfen

Auf Hundefutter in Dosen oder auf Trockenfuttertüten steht eine Fütterungsempfehlung. An dieser können sich Hundehalter orientieren und die Idealmenge nach ein wenig Probieren herausfinden. Diese Fütterungsempfehlungen berücksichtigen freilich keine individuellen Faktoren wie Alter, Aktivität und derzeitiges Gewicht des Hundes.

Fraglich ist bei vielen Trocken- und Nassfuttern auch, ob diese einen Hund wirklich ausgewogen und gesund ernähren können. Wer selbst das Futter zusammenstellen möchte und sich für das Barfen entscheidet, kann alle genannten Faktoren berücksichtigen und die optimale Futtermenge individuell zusammenstellen lassen.

Dabei wiederum kommt es auf diese Punkte an:

  • Passende Futtermenge berechnen

    Die richtige Futtermenge wird auch beim Barfen nach der oben genannten Formel berechnet: 2 – 3 Prozent des Körpergewichts ergeben die passende Menge, unberücksichtigt bleiben die genannten Einflussfaktoren.

  • Zusammensetzung

    Die ideale Zusammensetzung des Futters sieht 80 Prozent tierische und 20 Prozent pflanzliche Komponenten vor. Die tierischen Bestandteile wiederum werden noch einmal aufgegliedert und teilen sich in 50 Prozent Muskelfleisch, 15 Prozent Innereien, 20 Prozent Pansen und 15 Prozent fleischige Knochen. Auch die pflanzlichen Bestandteile werden aufgeteilt: 75 Prozent Gemüse, 25 Prozent Obst werden hier verfüttert. Wichtige Info zu den Knochen: Diese dürfen niemals gekocht verfüttert werden, denn dann besteht durch Splitter eine akute Verletzungsgefahr des Hundes.

    Die ideale Zusammensetzung des Futters sieht 80 Prozent tierische und 20 Prozent pflanzliche Komponenten vor. ( Foto: Shutterstock-  Zontica )

    Die ideale Zusammensetzung des Futters sieht 80 Prozent tierische und 20 Prozent pflanzliche Komponenten vor. ( Foto: Shutterstock- Zontica )

  • Vorsicht mit Zusatzfuttermitteln

    Mittlerweile gibt es fertige Mineralmischungen, die alle nötigen Vitamine, Spurenelemente und Minerale für den Hund enthalten. Wer noch weitere Zusatzfuttermittel gibt, sollte auf die passenden Mengen achten. Wenn Zink oder Jod bereits in einem Mittel enthalten sind, sollten diese Mineralien nicht mehr zusätzlich supplementiert werden.

  • Nicht täglich alles

    Die Futterration muss nicht tägliche alle genannten Punkte erfüllen, es kann auch an einem Tag mehr Fleisch, dafür am anderen Tag mehr Gemüse verfüttert werden. Viele Experten empfehlen eine Art Hungertag, an dem der Hund nichts zu fressen bekommen. Damit soll die Natur simuliert werden, in der der Wolf auch nicht jeden Tag Beuteerfolge feiern kann. Allerdings bringen es zum einen viele Hundebesitzer nicht über sich, den geliebten Vierbeiner einen ganzen Tag lang hungern zu lassen, zum anderen ist unser Hund eben kein Wolf. Er hat keine Vorteile von einem solchen Hungertag.

    Wenn nicht jeden Tag alles bis aufs i-Tüpfelchen stimmen muss, ist es sinnvoll, sich einen Monats-Futterplan aufzustellen. Am Ende des Monats muss das Futter alles in den passenden Mengen enthalten haben, was das Tier braucht, um ausgewogen und gesund ernährt zu werden. Die Monatsfuttermenge wird dann auf die einzelnen Tage aufgeteilt, sodass es durchaus möglich ist, dass an einem Tag von einem Nährstoff mehr vorhanden ist als an einem anderen.

Das Futter für übergewichtige Hunde sollte im Energiegehalt um rund 30 Prozent reduziert werden, damit die Fellnase nach und nach abspeckt. ( Foto: Shutterstock-  Sue Thatcher )

Das Futter für übergewichtige Hunde sollte im Energiegehalt um rund 30 Prozent reduziert werden, damit die Fellnase nach und nach abspeckt. ( Foto: Shutterstock- Sue Thatcher )

Spezielle Futterprobleme berücksichtigen

Generell ist es empfehlenswert, dass Barfen nur nach ausreichender Information anzugehen. Eine Futterberatung ist daher nicht die schlechteste Idee! Allerdings muss auch niemand aus der Hundefütterung eine Wissenschaft machen.

Wichtig ist jedoch, auf spezielle Futterprobleme zu achten:

  • Futter für dicke Hunde

    Das Futter für übergewichtige Hunde sollte im Energiegehalt um rund 30 Prozent reduziert werden, damit die Fellnase nach und nach abspeckt. Bitte nicht plötzlich hungern lassen, sondern nach und nach reduzieren, das beugt Magenproblemen vor.

  • Futter für zu dünne Hunde

    Hierbei muss auf eine hohe Energiedichte geachtet werden, wobei beim Barfen nicht alle Nährstoffe gleichermaßen nach oben gesetzt werden. Vitamine und Mineralstoffe werden weniger stark erhöht, damit es nicht zu einer Überversorgung kommt.

Bei beiden Varianten gilt, dass das regelmäßige Kontrollwiegen unerlässlich ist. Das Auge des Tierhalters ist ein unsicherer Berater!

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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