Problemhund: Letzter Ausweg Tierheim?

Wenn das Haustier zu einem Problemhund wird, ist guter Rat teuer. Ob Hundeschule oder Therapeut die richtige Wahl ist, hängt von vielen verschiedenen Gegebenheiten ab. Wir haben ein paar Hilfestellungen.

Problemhund: Was tun?

Kennen Sie das? Ihr Hund ist beim Spazierengehen sehr aggressiv und lässt sich kaum an der Leine halten? Wenn er dann noch einen anderen Hund sieht, es es noch schlimmer. Tatsächlich ist ein solches Verhalten nicht selten, sondern kommt immer häufiger vor. Doch der Hundehalter kann etwas dagegen tun.

Welche Verhaltensweisen zeigt Ihr Hund?

  • Der Hund zeigt einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb und lässt sich kaum zügeln
  • Der Hund gehorcht nicht mehr, sobald er in ein Auto einsteigt
  • Der Hund lässt Besucher nicht ins Haus und noch schwieriger wieder hinaus
  • Der Hund knabbert alle möglichen Gegenstände in der Wohnung an
  • Der Hund bellt ständig und
  • möchte nicht alleine bleiben

Hundeerziehung: Das sollte man wissen

Hunde sind Rudeltiere und das wird man ihnen auch so schnell nicht abtrainieren. Sind die Hunde tagsüber viel allein, kann ich das unter Umständen später in einem problematischen Verhalten äußern mit dem Ergebnis, dass man einen Problemhund bekommt. Versuchen Sie also wenn Sie Vollzeit berufstätig sind, in Ihrer Freizeit so viel Zeit wie möglich mit dem Hund zu verbringen. Gemeinsame Treffen mit anderen Hundebesitzern, oder auch der Besuch einer Hundeschule kann eine Möglichkeit sein. So stellen Sie sicher, dass der Hund die Hackordnung anerkennt und schon bald kein Problemhund mehr ist.

Hier liegt an jedem Hundebesitzer selbst, Möglichkeiten zu identifizieren und den Hund so oft wie möglich in den täglichen Ablauf zu integrieren. Er ist schließlich ein Teil der Familie und möchte auch so behandelt werden.

Infografik: Problemhunde verstehen - was verrät uns die Körpersprache des Hundes?

Infografik: Problemhunde verstehen – was verrät uns die Körpersprache des Hundes?

Grundsätzliches in der Hundeerziehung

Hundebesitzer, die von vornherein bestimmte Dinge in der Erziehung ihres Hundes beachten, werden später weniger Probleme haben und laufen auch weniger Gefahr, einen Problemhund zu bekommen.

  • Das Futter: Junge Hunde haben in der Regel einen großen Appetit. Hundebesitzer von Welpen sollten daher immer Leckerlis dabei haben – auch um den Hund damit zu belohnen. Daneben sollte aber bereits in frühem Alter darauf geachtet werden, dass der Hund immer aus seinem Napf frisst.
  • Verniedlichung: Vor allem Besitzer kleiner Hunde neigen dazu, das Tier nicht wie ein Tier, sondern fast schon wie einen Menschen zu behandeln: Da wird dem Hund im Winter ein warmer Pulli angezogen und je nach Jahreszeit kommt eine bestimmte Kopfbedeckung zum Einsatz. Zur Weihnachtszeit Rentierhörner oder eine Weihnachtsmann-Mütze und zu Ostern Hasenohren. Manche Hunde lassen sich das vielleicht gefallen. Grundsätzlich sollte man sich aber verkneifen, den Hund fast schon wie einen Menschen zu behandeln. Er ist und bleibt immer noch ein Tier. Wer das missachtet, kann später Probleme bei der Hundeerziehung bekommen.
  • Regeln und Grundbefehle: Der Hund muss bereits im Welpenalter lernen zu gehorchen. Daher ist es wichtig, dass man mit dem Hund so früh wie möglich schon bestimmte Grundbefehle einübt. Befehle wie „Sitz, Bleib und Aus“ müssen einfach bei jedem Hund sitzen und erleichtern das tägliche Miteinander ungemein. Kommt es bereits im Welpenalter bei den Grundbefehlen zu Versäumnissen ist späterer Ärger sehr wahrscheinlich.

    Nicht jeder Hund der bellt, ist gleich ein Problemhund, denn Gründe für das Bellen gibt es viele. (#1)

    Nicht jeder Hund der bellt, ist gleich ein Problemhund, denn Gründe für das Bellen gibt es viele. (#1)

Die häufigsten Probleme mit Hunden: Das Bellen

Nicht nur die Nachbarn, auch man selbst ist schnell genervt von einem Hund, der ständig und permanent zu bellen scheint. Wenn der Hund nicht auf Kommando still sein kann, sondern zu jeder Tages- und Nachtzeit anfängt zu bellen, kann das schon sehr an den Nerven zehren.

Wenn ein Hund ständig bellt, kann das unterschiedliche Gründe haben. Verschiedene Hunderassen bellen auch unterschiedlich laut und viel. Unter Umständen bedeutet das, dass man als Hundehalter gar nicht so viel dagegen unternehmen kann. Ein paar Tipps können aber trotzdem helfen, das Bellen vielleicht ein klein wenig zu minimieren:

  • Ignorieren Sie das Bellen ihres Hundes: Bekommt ihr Hund keine Aufmerksamkeit, wenn er lautstark bellt, besteht die Möglichkeit, dass er immer weniger bellt. Zur Aufmerksamkeit gehört nicht nur, dass man den Hund positiv belohnt und ihm ein Leckerli gibt, wann immer er anfängt zu bellen, in der Hoffnung, dass er schnell wieder aufhört, sondern auch, dass man schimpft. Unterlassen Sie auch das, wenn Sie möchten, dass Ihr Hund das Bellen einstellt.
  • Ausgeglichene Hunde bellen weniger. Vielleicht ist das Bellen aber auch ein Zeichen dafür, dass es dem Hund nicht gut geht. Versuchen Sie daher über einen möglichst langen Zeitraum dem Hund viel Auslauf und Zuwendung zu geben und beobachten Sie, ob das Bellen dann abnimmt.
  • Fürchtet sich Ihr Hund? Hat er etwas bemerkt? Hunde bellen auch dann, wenn sie etwas Ungewohntes wahrnehmen, das sie nicht einordnen können. Fängt ihr Hund unvermittelt mit dem Bellen an, kann das auch ein Grund sein. Kontrollieren Sie in diesem Fall auch das Sichtfeld des Hundes. Nimmt er etwas wahr, das ihn beunruhigen könnte?

Video: Euer Hund hört nicht? Was tun?

Problemhund und Futterneid

Vielen Hunde zeigen gerade beim Fressen ein sehr aggressives Verhalten. Dann darf man sich weder dem Hund, noch dem Fressnapf nähern.

Unser Tipp: Wenn es Zeit für die Fütterung ist, nehmen Sie den Fressnapf mit (füllen Sie ihn also nicht am angestammten Platz) und füllen ihn in Sichtweite des Hundes. Bringen Sie den Napf dann an die Futterstelle und erlauben Sie dem Hund dann erst zu fressen. Wichtig ist nun, dass Sie die gesamte Zeit über neben dem Hund bleiben, er sich also so an ihre Anwesenheit gewöhnt. Akzeptiert er diese, kann man nah und nach dazu übergehen, auch andere Personen das Füttern übernehmen zu lassen.

Rüde greift anderen Rüde an

Besonders männliche Hunden neigen dazu, aggressiver zu sein, als ihre weiblichen Artgenossen. Beim Gassigehen kann es daher gerade mit einem Rüden zu Problem kommen, wenn er auf einen anderen Rüden trifft, der ebenfalls nicht gerade zurückhaltend ist.

Hier hilft konsequentes Konditionieren. Trainieren Sie mit ihrem Hund, dass er auch ein bestimmtes Signal hin, innehält. Das kann beispielsweise die Hundepfeife sein. Üben Sie das Unterbrechen zunächst in einer unverfänglichen Situation. Beherrscht Ih Hund den Befehl, können Sie zu schwierigeren Situationen übergehen. Sind Sie zuversichtlich, dass der Befehl von dem Hund komplett angenommen wurde, können Sie ihn beim Spazierengehen ausprobieren. Gehorcht ihr Hund gut, sollten Sie ihn in jedem Fall mit Leckerlis belohnen, um so das Verhalten weiter zu verstärken.

Infografik: Problemhund - was kann man tun? Mit der Eskalationsleiter lassen sich Köpersignale richtig deuten.

Infografik: Problemhund – was kann man tun? Mit der Eskalationsleiter lassen sich Köpersignale richtig deuten.

Problemhund möchte nicht alleine sein

Es gibt auch die Problemhunde, die die Wohnung verwüsten, wenn sie einmal mehrere Stunden allein sind. Das ist gerade für berufstätige Hundehalter ein riesiges Problem. Denn was tun mit dem Hund, wenn man zur Arbeit muss.

Einige Verhaltensweisen helfen auch hier, um dem Hund anzutrainieren, besser alleine zurecht zu kommen:

  • Verlassen Sie die Wohnung oder das Haus ohne große Vorwarnung. Machen Sie also bitte keine lange Abschiedszeremonie, sondern verlassen Sie die Wohnung so schnell wie möglich. Am besten ist es sogar, wenn der Hund überhaupt nichts davon merkt.
  • Verzichten Sie auf Begrüßungen. Wenn Sie wieder nachhause zurückkehren sollten Sie unter keinen Umständen den Hund lange und ausgiebig begrüßen. Auch das Nachhause-Kommen soll zu einer Selbstverständlichkeit werden, die man nicht weiter zelebrieren muss. Am besten ist es sogar, Sie ignorieren den Hund komplett, wenn Sie von der Arbeit oder dem Einkaufen zurückkehren.
  • Verwirren Sie den Hund. Lassen Sie es nicht soweit kommen, dass der Hund schon ahnt, wann Sie die Wohnung verlassen. Nehmen Sie daher beispielsweise Ihre Handtasche oder Ihren Aktenkoffer mit in den Keller, oder ziehen Sie ihre Jacke an und machen Sie sich damit einfach nur einen Kaffee.

Hund läuft beim Spazierengehen weg

So ungern sich einige Hunde von ihren Besitzern trennen, so gerne rennen andere Hund weg. Ein anderer Fall eines Problemhundes ist der, dass der Hund beim Gassigehen wegläuft und auf Befehle und Rufe überhaupt nicht reagiert.

Wer einen Problemhund zu Hause hat, sollte nicht als ersten Schritt ins Tierheim gehen. Häufig kann ein Hunde Trainer helfen und die Probleme in Zusammenareit mit dem Hundehalter und dem Hund beseitigen. (#2)

Wer einen Problemhund zu Hause hat, sollte nicht als ersten Schritt ins Tierheim gehen. Häufig kann ein Hunde Trainer helfen und die Probleme in Zusammenareit mit dem Hundehalter und dem Hund beseitigen. (#2)

Ist der Hund weg, ist es auch meist schon zu spät. Grund dafür ist sin Jagdtrieb, der dann geweckt wurde und der nur sehr schwierig zu unterbrechen ist. In dieser Situation liegt es an Ihnen als Hundehalter, das Verhalten bereits vorzeitig zu unterbrechen. Beobachten Sie Ihren Hund genau und ermahnen Sie ihn bei dem kleinsten Anzeichen dafür, dass er ausbrechen möchte. Gehorcht er dann und rennt nicht weg, belohnen Sie ihn großzügig mit einem Leckerli oder Streicheleinheiten.

Fazit: Das tun mit Problemhunden

Um zu vermeiden, dass der Hund überhaupt zu einem Problemhund wird, sollte man schon früh in der Erziehung darauf achten, dass die Grundbefehle sitzen und er sein Herrchen oder Frauchen auch als solches anerkennt.

Kleinere Fehlverhaltensweisen des Hundes lassen sich auch Zuhause mit etwas konsequenter Übung wieder abtrainieren. Meist deutet problematisches Verhalten des Hundes darauf hin, dass er mit etwas unzufrieden ist, er kann es aber nicht anders zeigen, als sich ungehorsam zu verhalten. Grundsätzlich ist es aber so, dass sich nicht nur das Verhalten des Tieres allein ändern kann. Der Hundehalter muss auch immer mit daran beteiligt sein, dass es zu einem harmonischen Miteinander zwischen Tier und Mensch kommen kann.

Sollte alles nicht mehr funktionieren, lautet unser Tipp einen Hundetrainer aufzusuchen, oder mit dem Tierarzt zu besprechen, ob man mit dem Hund vielleicht eine Therapie machen sollte.

Meist sind die Maßnahmen ausreichend und der Hund verhält sich nach einigen Monaten schon wieder normaler


Infografiken: ©Schwarzer.de
Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: Prostock-studio, – #01: Prostock-studio, – #02: Oscity

Über 

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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