Wie viel Bewegung braucht ein Hund?

Dass ein Hund viel Auslauf und Bewegung braucht, ist wohl den meisten bewusst. Beschäftigt man sie nicht gut und lässt sie nicht auspowern, werden unsere Vierbeiner-Freunde schnell ungeduldig, unausgelastet und sehr unzufrieden. Aber wie viel Bewegung brauchen Hunde?

Reicht ein kurzer Spaziergang um den Block oder sollte es tägliches und stundenlanges Toben im Park sein? Schwer zu sagen – denn die richtige Antwort ist für jeden Hund individuell und hängt von Alter, Größe, Rasse und Charakter des Hundes ab.

Viele denken, dass die Größe des Hundes etwas mit der benötigten Bewegungsmenge zu tun hat.(#01)

Viele denken, dass die Größe des Hundes etwas mit der benötigten Bewegungsmenge zu tun hat.(#01)

Desto größer die Rasse, umso mehr Bewegung?

Viele denken, dass die Größe des Hundes etwas mit der benötigten Bewegungsmenge zu tun hat. Also dass kleine Hunde wenig Auslauf brauchen und große besonders viel. Doch das stimmt so nicht! Letztendlich muss man auf jede Rasse konkret schauen und dabei den gesamten Körperbau und die Mentalität der Rasse miteinbeziehen.

So haben Jack Russels zwar kurze Beine, sind aber Jagdhunde und deshalb vom Charakter her sehr bewegungsfreudig. Für sie gibt es nichts Schöneres als Stunde um Stunde einem Ball hinterher zu rasen und durch die Gegend zu springen.

Natürlich gibt es aber auch viele kleine Hunde, zum Beispiel Chihuahuas, die eher entspannt eine Runde um den Block gehen, als mit ihrem Herrchen mehrere Kilometer durch den Park zu joggen. Alles in allem ist aber die Größe nicht wirklich aussagekräftig, denn es gibt sowohl kleine als auch große Energiebündel und genauso Faulpelze in jeder Größe.

Entscheidend ist auch der Charakter des Hundes – und der kann natürlich auch innerhalb der Rasse variieren. (#02)

Entscheidend ist auch der Charakter des Hundes – und der kann natürlich auch innerhalb der Rasse variieren. (#02)

Der Charakter des Hundes spielt eine große Rolle

Entscheidend ist auch der Charakter des Hundes – und der kann natürlich auch innerhalb der Rasse variieren. Es ist also wichtig, dass der Halter auf die Signale seines Tieres achtet und diese in die tägliche Bewegung mit einbezieht. Wenn der Hund während dem Spaziergang übermäßig an der Leine zieht, merkt man sehr gut, dass er gerne noch weiter toben würde und mehr Auslauf benötigt.

Setzt er sich hingegen oft hin und wirkt eher langsam und träge, sollte man es am besten etwas ruhiger angehen lassen. Entscheidend dabei ist auch das Alter. Besonders Junghunde sind kaum zu bremsen und lieben es hektisch von A nach B zu rennen und sich so viel wie möglich zu bewegen.

Über die Jahre lässt das aber nach und gerade im hohen Alter sind unsere Vierbeiner oft schnell müde und bekommen zudem leichter Gelenkprobleme bzw. leiden unter schmerzenden Gelenken. Da sollte es also eher entspannter zugehen und der Halter sollte nicht mehr so viel Energie und Bewegungsdrang von seinem Hund erwarten.

Welpen gehen es langsam an

So lebendig Junghunde sein können, Welpen sollte man nicht überlasten. Denn die kleinen Energiebündel werden sehr schnell überschätzt. Gerade große Hunderassen benötigen relativ lange, bis ihr Knochenapparat ausgereift ist. Deshalb ist es in den ersten Wochen am sinnvollsten mit mehreren Sequenzen zu starten und den Auslauf nur langsam zu steigern. Lieber nur ca. zehn Minuten am Stück und dafür die Bewegungsdauer mehrmals, ca. sechs bis acht Mal, wiederholen.

Nach jeder Ausdauereinheit sollte den Kleinen Ruhe gegönnt werden. In etwa kann man sagen, dass die Welpen sich viermal so lange wie die Bewegungsdauer, entlasten sollen. Doch auch hier ist die wichtigste Regel wieder, auf die Signale des Hundes zu hören: Wenn der Welpe wieder rumspringt und zeigt, dass er munter und voller Energie ist, kann man erneut einen kleinen Spaziergang machen.

Vor allem sehr aktive Rassen neigen dazu, nie aufzuhören und immer weiter zu laufen, rumzutoben und keine Überanstrengung zu zeigen. (#03)

Vor allem sehr aktive Rassen neigen dazu, nie aufzuhören und immer weiter zu laufen, rumzutoben und keine Überanstrengung zu zeigen. (#03)

Anzeichen und Folgen von Unter- und Überbeschäftigung

Für den Hund ist das Herrchen sein Ein und Alles! Kein Wunder also, dass die Vierbeiner vor ihren Besitzern ungerne ihre Schwäche oder Müdigkeit zeigen. Vor allem sehr aktive Rassen neigen dazu, nie aufzuhören und immer weiter zu laufen, rumzutoben und keine Überanstrengung zu zeigen. Deshalb ist es wichtig als Besitzer dem Hund Pausen zu geben. Gut ist es zum Beispiel ihn mit einem Knochen für den Tag zu belohnen und ins Körbchen zu schicken, sodass er sich erholen kann.

Es gibt aber auch Hunde, die zu wenig beschäftigt werden. Das ist durch verschiedene Merkmale sehr schnell erkennbar. Zum Beispiel neigen solche Hunde dazu, rund um die Uhr ihr Spielzeug durch die Gegend zu schleppen oder es in tausend Stücke zu zerreißen. Oft leidet dann nicht nur das Spielzeug darunter, sondern schnell auch andere Dinge – von Socken bin hin zur Einrichtung, kann das im Handumdrehen böse enden. Doch das ist noch nicht alles: Ein unausgelasteter Hund bringt nicht nur äußerliches Chaos mit sich, sondern wird zudem leicht unglücklich oder aggressiv.

So leidet schnell die kostbare Bindung zwischen Halter und Tier darunter und der Hund fühlt sich einsam und abgewiesen. Um das zu verhindern sollte man auf den Vierbeiner eingehen, ausreichend mit ihm Spielen und für genügend Auslauf sorgen, damit Hund und Herrchen weiter glücklich durchs Leben gehen können.

Die richtige Ernährung zur optimalen Bewegung

Neben einer optimalen Auslaufdauer, die auf den Hund abgestimmt ist, spielt natürlich auch die Ernährung eine große Rolle, um den Vierbeiner gesund und fit zu halten. Ein Hund mit Übergewicht braucht nicht nur mehr Bewegung, sondern auch einen besseren Fütterungsplan.

Natürlich stellt sich hier die Frage: Nass- oder Trockenfutter? Hunde mögen eigentlich beides. Trockenfutter hat den Vorteil, dass man weniger benötigt, um dem Hund die richtige Menge an Energie zuzuführen. Es beinhaltet allerdings weniger Wasser als Nassfutter. Deshalb sollten Hunde, die schlecht oder zu wenig trinken, eher Nassfutter bekommen.

Auch wenn man nicht genau sagen kann, wie viel Auslauf Hunde im Allgemeinen brauchen, gibt es doch eine Faustregel für das Minimum an Bewegung. (#05)

Auch wenn man nicht genau sagen kann, wie viel Auslauf Hunde im Allgemeinen brauchen, gibt es doch eine Faustregel für das Minimum an Bewegung. (#04)

Die Faustregel in Sachen Auslauf

Auch wenn man nicht genau sagen kann, wie viel Auslauf Hunde im Allgemeinen brauchen, gibt es doch eine Faustregel für das Minimum an Bewegung. Diese besagt, dass alle komplett ausgewachsenen und vor allem gesunden Hunde mindestens 2 volle Stunden Auslauf pro Tag benötigen. Das bedeutet natürlich nicht, dass das am Stück sein sollte, da der Hund durchaus mehrmals am Tag zum „Geschäft erledigen“ vor die Tür möchte.

Teilt man die Stunden also auf den Tag auf, würde das bedeuten, dass man zum Beispiel vier Mal am Tag eine halbe Stunde spazieren geht – was nicht wirklich lange ist. Deshalb sollte man darauf achten, dass man den Hund nicht nur durch ein paar Spaziergänge um den Block fördert, sondern mit kleinen Spielen, Trick-Training und anderen abwechslungsreichen Dingen den täglichen Bewegungsbedarf aufpeppt.

Natürlich kann es trotzdem mal vorkommen, dass man ein paar Tage besonders viel Stress hat oder krank ist und es somit nicht schafft mit seinem Hund genug raus zu gehen. Das ist zwar nicht optimal, aber so lange es nur ein kurzer Zeitraum ist, machbar. Dann ist es jedoch wichtig, dass man trotzdem versucht durch ein paar Spiele – und wenn es nur im Wohnzimmer ist – den Hund ausreichend zu beschäftigen und ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Außerdem ist es wichtig, in dieser Zeitspanne das Futter zu reduzieren, da der Hund bei weniger Bewegung weniger benötigt.

Bewegung ist für alle gut!

Natürlich ist es nicht immer schön raus zu gehen und mit dem Hund über die Wiesen zu tollen. Gerade im Herbst und im Winter, wenn es kalt und nass ist, wünscht man sich oft sich im Bett verkriechen zu können und das Haus nicht verlassen zu müssen.

Doch man darf nicht vergessen, dass der Auslauf nicht nur für den Hund wichtig ist, sondern auch den Besitzern gut tut. Denn durch die Bewegung an der frischen Luft hält man sich selber fit und gesund und kräftigt zudem noch das eigene Immunsystem. Und gibt es etwas Schöneres, als mit dem vierbeinigen Freund Zeit zu verbringen?

Bei aller Wichtigkeit sollte man aber stets die individuellen Bedürfnisse des Tieres im Auge behalten. Der eine Hund liebt die ausgedehnten Touren mit Herrchen und Frauchen. Andere bevorzugen nur den kurzen Spaziergang um die Ecke. Die Unterschiede sind auch zum Teil bei den Rassen zu beobachten. Die eine Hunderasse tobt gerne herum, die andere bevorzugt Gemütlichkeit. Das bedeutet: Ja, der Ausgang tut dem Tier (und dem Mensch) gut und sollte nicht allzu kurz sein. Alleine schon, um Nervosität als Folge bei manchen Tieren zu vermeiden. Also ein verwüstetes Zimmer, weil man kaum vor die Türe kommt. Da das in letzter Konsequenz auch das Verhältnis zwischen Halter und Hund verschlechtern kann, sollte man sich auch selbst aufraffen und bei Sturm und Regen ein paar Schritte mit dem Tier gehen.

Es gibt natürlich Gründe, warum mancher Hund nicht mehr so viel Auslauf wünscht. Das können generelle Alterungserscheinungen sein oder es stecken Krankheiten dahinter. Hier sollte jeder Hundehalter hellhörig werden und genau die Symptome des Tieres beobachten. Könnten es Probleme mit den Gelenken sein und hinkt das Tier eventuell? Oder ist es eher allgemeine Schlappheit, die dahinter steckt. Wer weiß, vielleicht steckt wirklich nur eine Erkrankung dahinter, die mit Medikamenten leicht zu behandeln ist und schon bald rennt der vierbeinige Freund wie eh und je durch Wiesen und Parks.

Und was, wenn er einfach faul ist? Auch so etwas kommt bei Hunden vor. Das Tier ist einfach zu träge, um vor die Tür zu gehen. Dann könnte man es mit Belohnungen in Form von Leckerli, was sonst?, probieren. Man kann es dem Tier während des Spaziergangs überreichen und so animieren, mit Freude mitzukommen. Bei vielen Hunden können erstaunliche Ergebnisse beobachtet werden. Hauptsache das Tier bewegt sich. Das sollte letztendlich Ziel sein und wenn es nur in einer Form der Belohnung funktioniert, warum nicht? Positive Folgen ausreichender Bewegung sind dann oft eine robustere Gesundheit des Tieres, was sich im Idealfall auf Behandlungskosten beim Tierarzt auswirken kann. Das betrifft sowohl die physische wie psychische Gesundheit, denn zu wenig Auslauf kann nicht nur zur Verfettung des Tieres beitragen, sondern auch zu Auffälligkeiten im Verhalten wie Nervosität oder Zerstörungswut führen. Insofern lohnt es doppelt, seinen Hund zur Bewegung zu animieren. Das muss nicht immer das Waldgebiet oder der ausgedehnte Park sein. Auch um den Block gehen, einfach um die Wohnung zu verlassen, kann superwichtig sein, für Herrchen wie den Hund. Am Ende sollte jeder Beteiligte mit dem Resultat zufrieden sein.

 

 

 

 

 

 

 


Bildnachweis:© Fotolia-Titelbild: DoraZett-#01: Soloviova Liudmyla-#02:Soloviova Liudmyla-#03: vadymvdrobot-#04: javier brosch

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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