Kampfhunde: Wie gefaehrlich sind sie wirklich?

Lange Zeit galten sie als gefährliche Waffe auf vier Beinen: Kampfhunde. Doch was sind Kampfhunde eigentlich? Welche Rassen fallen in diese berüchtigte Kategorie und gibt es eigentlich wirklich „Kampfhunde“?

Was bedeutete das Wort „Kampfhund“ und wo kommt es her?

Viele Menschen bringen den Begriff Kampfhund mit speziellen Rassen in Verbindung. Der Pitbull ist dafür ein gutes Bespiel. Tatsächlich bezeichnet das Wort „Kampfhund“ aber keine bestimmte Hunderasse, sondern ein bestimmtes Einsatzgebiet von Hunden.

Als Kampfhunde im eigentlichen Sinne des Wortes werden also Hunde bezeichnet, die für Tierkämpfe (besonders für Hundekämpfe), aber zum Beispiel auch für Kämpfe gegen Bullen und Wildschweine gezüchtet, ausgebildet und eingesetzt wurden.

Im Laufe der Geschichte wurden für den Tierkampf einige Hunderassen gezüchtet. Bei den Nachfolgern dieser Rassen ist die Eignung für den Tierkampf heutzutage aber bei der Züchtung kein Ziel mehr. Kämpfe von Hunden gegen andere Hunde sind aktuell in fast allen Ländern dieser Erde verboten, finden aber immer noch illegal, oft im kriminellen Milieu, statt.

Seit geraumer Zeit wird der Begriff Kampfhund vorrangig im Zusammenhang mit Angriffen von Hunden auf Menschen (insbesondere auf Kinder) oder andere Hunde verwendet. Diese Definition des Wortes steht in Zusammenhang mit der Einführung der Rasseliste. Außerdem wird eine spezielle Kategorie gefährlicher Hunde heutzutage besonders in den Medien als Kampfhunde bezeichnet.

sind sie wirklich so gefaehrlich

Ist dieser schöne Bullterrier wirklich gefährlich oder sind das Mythen?? (#02)

Die Kampfhund-Debatte: Über Maulkorb und Zuchtverbot

Die Debatte über Kampfhunde beschäftigt die Öffentlichkeit immer wieder. Zu Schlagzeilen kommt es vor allem dann, wenn wie im Jahr 2000 ein Kind Opfer einer solchen Attacke von Hunden wird. Nach der besagten Attacke in Wilhelmsburg verabschiedete der Hamburger Senat die landesweit schärfsten Regelungen zur Haltung von Kampfhunden.

Obwohl es eine Zeit gab, in der es mehrmals im Monat zu solchen Bissattacken kam, ist es statistisch gesehen wahrscheinlicher, von einem Pferd getötet zu werden. Seit 1998 starben in Deutschland 16 Menschen an den Folgen einer Hundeattacke.

Die Zahlen der nicht tödlichen Attacken sind allerdings weitaus höher: Die deutsche Ärztekammer geht 30.000 bis 50.000 Bissverletzungen im Jahr aus. Dabei werden allerdings alle Bissverletzungen von oberflächlichen Kratzen bis schweren, entstellenden Wunden sowie auch Bisse von Katzen und anderen Menschen gezählt.

 American Staffordshire Terrier: So gefährlich schaut dieser Kampfhund doch nun wirklich nicht aus? Oder? (#03)

American Staffordshire Terrier: So gefährlich schaut dieser Kampfhund doch nun wirklich nicht aus? Oder? (#03)

Pitbull und Co.: Welche Rassen gelten als typische Kampfhunde?

Hunde der Rassen Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier, American Pit Bull Terrier und auch Bullterrier wurden in der Vergangenheit als Kampfhunde bezeichnet und das hat sich bis heute nicht geändert.

Sie gelten als beißfreudig und aggressiv. Besonders über Pitbulls halten sich diese Vorurteile beständig. Nicht wenige Menschen wechseln daher lieber schnell verängstigt die Straßenseite, wenn ihnen ein solcher Kampfhund auf der Straße entgegenkommt.

Video: Kampfhunde Bestien oder Freunde ?

Schon als Kindern wird uns beigebracht, vor bestimmten Hunden Angst zu haben.

Wenn Menschen von Kampfhunden reden, haben sie meist einen Pitbull vor Augen. Seit Jahren streiten sich Hundebesitzer und die deutschen Behörden darüber, ob Rassen wie der Pitbull aggressiver als andere Hunderassen sind und deshalb eher zubeißen.

In Foren für Hundebesitzer und auch auf Facebook-Seiten sind sich die Hundehalter einig: In der Regel ist der Mensch Schuld daran, wenn ein Hund aggressiv und böse wird. Dieser Meinung ist auch der Großteil der Experten. Menschliches Zutun wie die Erziehung, die Auswahl der Zucht und der Haltung des Hundes machen ihn im schlimmsten Fall zu einer Waffe und Kampfmaschine.

Durch all diese Faktoren kann zu Verhaltensstörungen kommen, die den von Natur aus liebenswerten Vierbeiner zu einer unberechenbaren Gefahr machen.
Dazu kommt noch, dass auch die Bisse von anderen größeren Hunden wie dem deutschen Schäferhund, dem Husky oder dem Labrador für den Menschen gefährlich werden können.

American Pit Bull Terrier in verschiedenen Farben: Auch diese Rasse zählt zu den Kampfhunden. (#04)

American Bull Terrier in verschiedenen Farben: Auch diese Rasse zählt zu den Kampfhunden. (#04)

Soviele Menschen wurden offiziell schon verletzt

In Berlin zum Beispiel wurden im Jahr 2014 nach offiziellen Zahlen etwa 600 Menschen von Hunden verletzt. 2013 waren es noch 20 Attacken mehr, die Bissen oder Anspringen durch einen Hund zum Inhalt hatten. 28 der Opfer von Hundeattacken aus dem Jahr 2014 wurden von sogenannten Kampfhunden, auch Listenhunde genannt, angegriffen, die wegen ihrer Rasse als gefährlich und aggressiv gelten.

Die aggressivsten Tiere, die für den größten Anteil der Angriffe durch Hunde auf Menschen verantwortlich waren, waren mit 113 beziehungsweise 64 Fällen Mischlings- oder Schäferhunde. Sogar von Pudeln wurden acht Angriffe verzeichnet.
Auch in Schleswig-Holstein sind es nicht die Kampfhunde, die für den Großteil der Hundebisse verantwortlich sind, sondern, wie in Berlin, die Schäferhunde. Von den insgesamt 140 Attacken in Schleswig-Holstein von Hunden auf Menschen wurde nur eine einzige von einer auf der Liste geführten Hunderasse begangen. In 20 der Fälle zwischen Anfang Mai 2013 und Ende April 2014 war der Verursacher ein Schäferhund oder ein Mischling, gefolgt von Labrador und Border Collie mit zwölf Beißattacken.

Solche Statistiken sind aber mit Vorsicht zu lesen. In Schleswig-Holstein zum Beispiel gibt es weitaus mehr Schäferhunde als Listenhunde, was durchaus die niedrige Anzahl von Attacken durch solche gefährlichen Rassen erklärt.

Experten betonen: Der Grund für diese hohe Zahl ist nicht die Gefährlichkeit von Schäferhunden oder Mischlingen, sondern die Häufigkeit, in der sie in gehalten werden. Diese Zahlen zeigen gut, dass es nicht die Rasse ist, die den Hund zum potenziellen Angreifer macht, sondern die Haltung und Erziehung.

Rottweiler: Offiziell kein Kampfhund - doch auch der Rottweiler ist ein großer und starker Hund, von dem eine Gefährdung ausgehen kann. (#05)

Rottweiler: Offiziell kein Kampfhund – doch auch der Rottweiler ist ein großer und starker Hund, von dem eine Gefährdung ausgehen kann. (#05)

Gesetze zur Haltung von Kampfhunden

Innerhalb von Deutschland gibt es die verschiedensten Ansätze für den Umgang mit den Kampf- oder auch Listenhunden. Nachdem es vermehrt zu Hundeattacken vor allem an Kindern kam, haben die Bundesländer die verschiedensten Maßnahmen ergriffen. Bis zum Jahr 2006 sollten die Landesregierungen ihre Gesetzte anpassen.

Ein Großteil der Bundesländer erließ bereits zuvor sogenannte “Kampfhundverordnungen”. Diese Verordnungen verpflichten teilweise zu Leinen und Maulkorb beim Hund, vor allem aber legen sie Rasselisten mit den gefährlichen Hunden fest.

Auffällige Hunde, die in diese Kategorie fallen, müssen sich nun einem Art Charaktertest unterziehen. Besteht der Hund diesen Test nicht, muss er eingeschläfert werden. Allein im Land Hessen wurden deswegen bis zum Jahr 2005 über 400 Hunde eingeschläfert.

Fast alle Bundesländer führen Rasselisten, die Ausnahme bildet Niedersachsen. Der Gesetzgeber verbietet außerdem den Import einiger weniger Hunderassen. Zucht- und Haltungsverbote, die immer noch gefordert werden, gibt es in Deutschland aber nicht.

Fila Brasileiro: In einigen Bundesländern Deutschlands wird der Fila Brasileiro als gefährlich angesehen und in entsprechenden Rasselisten geführt. (#06)

…. und was ist mit den anderen Listenhunden? Hier der Fila Brasileiro: In einigen Bundesländern Deutschlands wird der Fila Brasileiro als gefährlich angesehen und in entsprechenden Rasselisten geführt zu den sogenannten Kampfhunden gehört er jedoch nicht. (#06)

Aufgrund der vielen verschiedenen Regelungen ist es für Hundebesitzer schwer, einen Überblick zu behalten. Zum Beispiel erließen nicht nur die einzelnen Länder inhaltlich stark voneinander abweichende Verordnungen, die Gesetzte können auch noch innerhalb der Bundesländer auf Ortsebene variieren:

• Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz sind Leine und Maulkorb nicht vorgeschrieben. In den Nachbarländern werden beim Missachten dieser Regelung aber Bußgelder fällig. Und auch in Mainz und Ludwigshafen, also innerhalb von Rheinland-Pfalz, herrscht trotz anderer Landesregelung Leinen- und Maulkorbzwang.

• Niedersachsen

Im Land Niedersachsen gibt es keine Rasseliste. Außerdem gilt der Pitbull hier nicht als gefährlicher Hund, in allen anderen Bundesländern allerdings schon. Seit 2011 müssen Besitzer bestimmter Hunderassen eine Art Hundeführerschein machen, der sie zum Besitz des Hundes berechtigt und beweist, dass sie mit ihm umgehen können.

In einigen Fällen orientieren sich Bundesländer aber auch an den Verordnungen anderer Bundesländer.

Schleswig-Holstein will ab dem 1. Januar 2016 ein Hundegesetz nach niedersächsischem Vorbild einführen. Eine Rasseliste würde dann wegfallen. Stattdessen kämen auf Besitzer mit auffälligen Hunden strenge Sanktionen zu.
In den Ländern oder Regionen, in denen es den Maulkorbzwang gibt, sinkt die Popularität der Listenhunde. Ein Hund mit Maulkorb macht auf der Straße einfach keinen positiven Eindruck.

Die Verordnungen und Gesetze haben also auf jeden Fall die Anzahl der Kampf- und Listenhunde, die auf den deutschen Straßen unterwegs sind, verringert. Offizielle Statistiken gibt es zwar nicht, aber Zählungen auf Ortsebene zeigen die Entwicklung deutlich: Im Bezirk Dresden sind zum Beispiel nur 22 der sogenannten Listentiere gemeldet, für etwa 100 weitere Hunde gilt dort gesetzlich verordneter Maulkorbzwang.

Doch nicht nur die Anzahl der als Listentier geltenden Hunde ist durch die Gesetzte geschrumpft. Fünfzehn Jahre Verordnungen und oft mehrfach geänderte Gesetze haben auch den Mix der Rassen in Deutschland verändert. Bissattacken, Verletzungen durch Hunde und sogar Todesfälle sind durch die vielen Regelungen nicht verschwunden.

Das liegt vor allem an der geringen Anzahl der von Listenhunden begangenen Attacken, die oft nur einen kleinen Teil aller durch Hunde verursachten Verletzungen darstellen. Der Hund, der in Deutschland am häufigsten in solche Vorkommnisse verwickelt ist, ist der deutsche Schäferhund.

Video: Ich, ein Monster ?

Fünf Mythen über Kampfhunde

Trotz aller Aufklärungsarbeit und Initiativen von Hundebesitzern: die Vorurteile gegenüber den Rassen, die als Kampfhunde gelten, halten sich hartnäckig.

1. Kampfhunde sind besonders aggressiv

Experten sind sich einig: Aggressivität ist keine vererbte Eigenschaft, wie Riesenwuchs oder die Augenfarbe des Hundes. Aggression ist einer von vielen Trieben, die das Verhalten von Menschen und Tieren steuert. Ein aggressiver Hund wird also nicht aggressiv geboren, sondern aggressiv erzogen. Das passiert in der Welpenzeit vor allem durch die Eltern und Geschwister, später dann durch den Besitzer.

2. Kampfhunde besitzen eine besonders große Beißkraft

Dieses Vorurteil ist schlicht falsch. Bis heute gibt es keine wissenschaftlich sicheren Messungen über die Beißkraft von Hunden.

3. Kampfhunde sind besonders für Kinder gefährlich

Diese Aussage gründet sich vor allem auf Vorfällen wie dem in Hamburg im Jahr 2000, als zwei American Staffordshire Terrier ein Kind totbeißen. Die damit verbundenen Schlagzeilen schürten damals wie auch heute die Urängste vom großen, bösen Wolf, der kleine Kinder frisst.

Der Gedankengang sieht etwa so aus: Kampfhunde sind gefährlich, deshalb wechseln Mütter mit Kindern die Straßenseite, deshalb brauchen wir Gesetzte zum Schutz vor diesen Hunden und deshalb haben solche Hunde in der Öffentlichkeit nichts verloren.

Fakt ist: Jeder aggressiv erzogene Hund ist für Kinder gefährlich, dafür braucht es keinen Kampfhund. Dazu kommt, dass klassische Kampfhundrassen wie der American Staffordshire Terrier zum Beispiel in den USA gerne als Therapiehund ausgebildet wird, da er eine hohe Aggressionsschwelle hat, die dafür sorgt, dass der Hund auch bedrohlichem Verhalten recht friedlich reagiert.

4. Kampfhunde beißen vor allem Passanten auf der Straße

Am häufigsten kommt es in der Familie und dem Bekanntenkreis des Hundehalters zu solchen Vorfällen. Zudem können Attacken geschehen, wenn ein Fremder in das Territorium eindringt, das ein Hund bewacht wie zum Beispiel bei unbefugtem Betreten von Privatgeländen. Für unbeteiligte Passanten sind Hunde eher ungefährlich.

5. Kampfhunde empfinden keine Schmerzen

Das ist schlichtweg falsch. Genau wie alle anderen Tiere empfinden auch ursprünglich für den Kampf gezüchtete Hunde Schmerzen.


Bildnachweis:© Fotolia-Titelbild: kleinewerke hemlep, -#02 kleinewerke,  -#03 Rita Kochmarjova, -#04 cynoclub, -#05 K.-U. Häßler, -#06 Martina Berg

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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