Vorsicht und Vernunft: Augen auf beim Pferdekauf!

Endlich, der Entschluss steht fest: Mehr oder weniger gut überlegt soll ein eigenes Pferd gekauft werden. Soll es ein Jungpferd oder Lehrmeister sein? Und worauf kommt es beim Kauf wirklich an?

Kauf aus Mitleid

In jedem Herbst starten vor allem in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz die Fohlenauktionen, wobei vor allem die Haflinger und Noriker unter den Hammer kommen. Dies bietet viel Spielraum für die Masche mit dem Mitleid: Viele der Fohlen wurden nämlich für den Schlachtmarkt gezüchtet und landen in Mastbetrieben, wenn sie keinen Käufer finden. Doch nicht nur bei Jungpferden zieht die Drohung mit dem Schlachter, auch ältere Pferde finden sich in diversen Anzeigen, in denen es heißt, dass das Pferd dringend verkauft werden müsse und wenn sich bei diesem (angeblichen) Notverkauf kein Käufer fände, würde das Tier „schweren Herzens“ zum Schlachter gehen.

Diese Mitleidsmasche zieht immer wieder, dabei ist Mitleid ein sehr schlechter Berater beim Pferdekauf. Angesichts der Summen, die hier investiert werden, ist Überlegung wichtig. Gehen Sie nüchtern an den Kauf und bedenken Sie auch die Folgekosten. Sie brauchen nicht nur eine Tierhalterhaftpflichtversicherung, sondern auch eine OP-Versicherung für das Pferd, damit Sie im Schadensfall angemessen reagieren können und finanziell abgesichert sind.

In jedem Herbst starten vor allem in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz die Fohlenauktionen, wobei vor allem die Haflinger und Noriker unter den Hammer kommen. Dies bietet viel Spielraum für die Masche mit dem Mitleid (#01)

In jedem Herbst starten vor allem in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz die Fohlenauktionen, wobei vor allem die Haflinger und Noriker unter den Hammer kommen. Dies bietet viel Spielraum für die Masche mit dem Mitleid (#01)

Die Suche nach dem Pferd

Zuerst stellt sich die Frage, ob es ein Fohlen, ein Jungpferd oder ein Lehrmeister werden soll. Braucht das Pferd eine gewisse Ausbildung, weil Sie diese selbst nicht in genügendem Maße haben? Die alten Rittmeister wussten: Junges Pferd, alter Reiter – altes Pferd, junger Reiter! Damit war natürlich nicht das Alter in Lebensjahren gemeint, sondern es ging vielmehr um die Erfahrung, die Pferd und Reiter hatten. Dennoch kann ein Fohlen oder Jungpferd auch in unerfahrenen Händen zu einem großartigen Pferd werden, wenn sich der Besitzer Hilfe von einem kompetenten Trainer oder einer pferdeerfahrenen Person holt.

Der Vorteil: Beide wachsen zusammen, wissen um die „Macken“ des jeweils anderen und können gemeinsam lernen. Allerdings kann solch ein Versuch auch schiefgehen und das Pferd braucht später, weil es nicht erzogen wurde, eine Profi-Korrektur. Niemand mag unerzogene und gefährliche Pferde!

Die Suche nach dem Pferd kann nun also beginnen. Suchen Sie in

  • einschlägigen Onlineportalen für den Pferdeverkauf
  • Online-Kleinanzeigen
  • auf Facebook
  • direkt beim Züchter

Möchten Sie ein Pferd beim Züchter kaufen, sollten Sie sich vorab über diesen informieren. Die Chance, hier auf ein Pferd aus guter Verpaarung und damit auf Gesundheit und Leistungsstärke zu treffen, ist deutlich größer als bei einem Privatkauf von einem Freizeitreiter, der „nur ins Gelände geht“. Allerdings sind Züchterpreise auch um einiges höher.

Möchten Sie keinen neuen Dressur- oder Springcrack erwerben, reichen für den Pferdekauf oft auch die Expertise eines erfahrenen Pferdemenschen und der Tierarzt.

Die Mitleidsmasche zieht immer wieder, dabei ist Mitleid ein sehr schlechter Berater beim Pferdekauf. (#02)

Die Mitleidsmasche zieht immer wieder, dabei ist Mitleid ein sehr schlechter Berater beim Pferdekauf. (#02)

Nicht die AKU vergessen!

Sie können ein Pferd auf dem Foto bewundern, es in einem Video sehen und vor Ort anschauen – hineinsehen können Sie nicht. Daher ist die Ankaufsuntersuchung durch den Tierarzt so wichtig! Für ein reines Freizeitpferd reicht die kleine AKU aus, die eine Art Basisuntersuchung darstellt und bei der der Tierarzt nach Blutwerten und offensichtlichen Mängeln schaut. Die große AKU hingegen beinhaltet auch das Röntgen der Beine und des Rückens, sodass Arthrose, Veränderungen an der Hufrolle, Chips und Kissing Spines erkannt werden können.

Wichtig: Es gibt seit einiger Zeit keine Gewährsmängel (Koppen, Weben, Kehlkopfpfeifen etc.) mehr, die eine Rückgabe des Pferdes rechtfertigen. Heute ist auch beim Pferdekauf das normale Widerrufsrecht gültig: Binnen des ersten halben Jahres muss der Verkäufer nachweisen, dass der Mangel beim Kauf nicht bestand, danach müssen Sie nachweisen, dass er bereits beim Kauf vorhanden war. Fast ein Ding der Unmöglichkeit!

Investieren Sie daher lieber in eine umfassende AKU und entscheiden Sie zuerst mit dem Verstand und dann mit dem Herzen, auch wenn Sie sich noch so sehr in das Pferd verliebt haben. Wenn Sie es sich finanziell nicht leisten können, ein krankes Pferd sein Leben lang zu versorgen und vielleicht in teure Medikamente zu investieren, ist der Tierarzt Ihr wichtigster Berater beim Kauf. Denn: Bereits vorliegende Krankheiten sind bei der OP-Versicherung bzw. bei der Pferde-Krankenversicherung oft von den Leistungen ausgeschlossen!

Wichtig: Viele Verkäufer bieten die Übernahme der AKU durch ihren eigenen Tierarzt an. Lassen Sie sich darauf nicht ein und bringen Sie einen Tierarzt Ihres Vertrauens mit!

Sie interessieren sich für ein Pferd näher und sind vor Ort, um es anzuschauen. Ganz wichtig: Ein Reitpferd sollten Sie auch unbedingt Probe reiten! (#03)

Sie interessieren sich für ein Pferd näher und sind vor Ort, um es anzuschauen. Ganz wichtig: Ein Reitpferd sollten Sie auch unbedingt Probe reiten! (#03)

Fragen beim Pferdekauf

Nun ist es soweit: Sie interessieren sich für ein Pferd näher und sind vor Ort, um es anzuschauen. Ganz wichtig: Ein Reitpferd sollten Sie auch unbedingt Probe reiten! Leider sind Berichte von für den Videodreh mit Reiter sedierten Pferden oft genug Tatsachenberichte und die scheinbar lieben und gut an den Hilfen stehenden Tierchen entpuppen sich daheim als nicht korrekt eingerittene Satansbraten, die den Reiter abbuckeln und unsanft an die Hallenbande befördern. Ein Video kann daher nicht den Proberitt ersetzen!

Tipp: Machen Sie sich zu Hause Notizen zu Ihren Fragen, denn eines ist versprochen: Sie werden vor Ort einige Dinge vergessen. Die Aufregung über das neue Pferd ist meist zu groß, um wirklich an alles zu denken, daher ist eine Fragenliste ein unschätzbarer Helfer.

Bringen Sie unter anderem folgende Dinge in Erfahrung:

  • Wie wurde das Pferd bisher gehalten? Ist es ein Offenstallpferd, das in der Herde stand (gemischt oder getrennt nach Geschlechtern) oder lebte es nachts in der Box? Weide oder Paddock?
  • Wie wurde das Tier aufgezogen – wuchs es in der Fohlenherde auf und ist dementsprechend sozialisiert?
  • Wie viele Vorbesitzer hat das Pferd? Warum wurde es jeweils abgegeben?
  • Hat es gesundheitliche Einschränkungen?
  • Hat es bestimmte „Macken“ beim Reiten oder Fahren?
  • Ist es Kinder und Hunde gewohnt?
  • Ist das Tier straßensicher?
  • Ist es turniererfahren?
  • Wie wurde das Pferd bisher gefüttert?
  • Gab es in der Vergangenheit gesundheitliche Probleme (z. B. Koliken)?
  • Wie ist das Pferd schwerpunktmäßig ausgebildet: Englisch oder Western? Dressur, Springen, Vielseitigkeit?
  • Welche Impfungen liegen vor?
  • Ist das Pferd beschlagen und wenn, warum? Braucht es einen Korrekturbeschlag?

Sicherlich sind diese Frage auch davon abhängig, wie Sie das Pferd verwenden wollen und ob es sich um ein Jungpferd oder Fohlen, das direkt vom Züchter und hier von der Weide kommt, oder um ein bereits eingerittenes und erfahrenes Schul- bzw. Turnierpferd handelt.

Möchten Sie ein Pferd beim Züchter kaufen, sollten Sie sich vorab über diesen informieren. (#04)

Möchten Sie ein Pferd beim Züchter kaufen, sollten Sie sich vorab über diesen informieren. (#04)

Papiere nicht vergessen

Sicher, auf Papieren kann man nicht reiten. Dieser häufig zitierte Spruch mag zumindest mit Einschränkungen stimmen. Wer ein reines Freizeitpferd oder –pony sucht, braucht keinen Crack mit 1a-Dressur- oder Springabstammung und berühmten Namen im Pedigree. Das Tier braucht auch keine Zuchtpapiere, wenn es sich um einen Wallach handelt oder wenn Sie nicht züchten wollen. Wenn Sie aber mit einer Stute eine kleine Zucht beginnen wollen, kommt es sehr wohl auf die Abstammung und auf gute Namen an, was auch für den jungen Hengst gilt, mit dem Sie die Körung anstreben.

Für alle anderen Pferde gilt, dass sie zwar keine Zuchtpapiere benötigen, sehr wohl aber einen Pferdepass. Sie müssen registriert sein und einen Chip vorweisen können. Außerdem: Ein Pferd ohne Papiere darf nicht transportiert werden! Das gilt insbesondere für Grenzüberschreitungen: Holen Sie sich ein Pferd aus dem Ausland, brauchen Sie den Pferdepass und die Traces, dazu ein Gesundheitszeugnis vom zuständigen Veterinär.

Viele Pferdebesitzer wünschen sich eine Eigentumsurkunde für ihr Tier, die aber nicht zwingend nötig ist. Als Eigentumsnachweis reichen auch der Kaufvertrag und der Equidenpass. Die Eigentumsurkunde können Sie gegen Übernahme der Kosten bei der FN beantragen oder direkt beim Zuchtverband, in dem das Tier bisher registriert ist.

Wichtig: Lassen Sie sich die Papiere zeigen und spätestens bei Abholung des Pferdes aushändigen. Das berühmte „Nachsenden“ lässt leider nur allzu oft auf sich warten. Außerdem sollten Sie die im Pass eingetragene Chipnummer durch den Tierarzt bestätigen lassen. Schon oft kam es vor, dass die Nummer des Chips im Hals des Pferdes nicht mit der im Pass übereinstimmte. Wer keine falschen Papiere (oder ein falsches Pferd zu den Papieren) haben möchte, sollte hier auf Nummer sicher gehen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Cara-Foto  -#01: aaltair  -#02: Inger Anne Hulbækdal  -#03: Lyubov Levitskaya -#04: Ahturner

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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