SOS-Pferdehilfe: Pferde (wieder) glücklich machen

SOS-Pferdehilfe – dieser geflügelte Begriff bezeichnet eine Vielzahl von Vereinen, die sich für das Wohl von Pferden sowie den artgerechten Tierschutz der Vierbeiner einsetzen. Mehrere Tausend ehrenamtliche Helfer setzen sich für den Tierschutz ein.

SOS-Pferdehilfe: Die Liebe zum Pferd

Der Begriff SOS-Pferdehilfe besteht aus zwei wesentlichen Bestandteilen, die bereits im Namen erklären, welches Ziel sich die jeweiligen Vereine gesetzt haben. Es soll im Sinne von ‚Pferdehilfe‘ um die Unterstützung der Fluchttiere mit den langen Beinen und den großen Köpfen gehen. Intensive Unterstützung bzw. schnelle Hilfe brauchen die Tiere, wenn sie nicht artgerecht gehalten werden, Verletzungen tragen oder krank sind bzw. wenn die Eigentümer unerwartet in eine Notlage geraten und die Pferde nicht mehr ordentlich versorgen können. Der Bestandteil ‚SOS‘ des Begriffs „SOS-Pferdehilfe“ macht also auf die Dringlichkeit der Lage aufmerksam, in der sich viele Tiere befinden. Gemeinnützige Vereine haben es sich zur Aufgabe gemacht, Tiere aufzunehmen und zu pflegen, die nicht artgerecht gehalten werden.

Der Tierschutz hat in Deutschland eine lange Tradition, was sich auch an der Verankerung der Rechte der Tiere in der deutschen Gesetzgebung zeigt. Das Tierschutzgesetz sieht vor, dass jeder Besitzer eines Tieres, sei es für längere oder auch für kürzere Zeit, das Tier „seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen“ muss. Gleichermaßen darf auch die „Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung“ nicht eingeschränkt werden. Darüber hinaus distanziert sich der Gesetzgeber ganz klar vor vorsätzlicher Tierquälerei und untersagt das Zufügen von „Schmerzen oder vermeidbare[n]Leiden“ ausdrücklich.

Artgerechte Haltung von Pferden

Die SOS-Pferdehilfe hat auch die artgerechte Haltung von Pferden als Thema. (#1)

Die SOS-Pferdehilfe hat auch die artgerechte Haltung von Pferden als Thema. (#1)

Nichtsdestotrotz gibt es hierzulande eine Vielzahl von Tieren, die nicht artgerecht gehalten werden. Genau in solchen Fällen greift der Tierschutz ein und zahlreiche SOS-Pferdehilfe Vereine schreiten zur Tat. Doch bevor das Tätigkeitsfeld der Vereine näher beschrieben wird, stellt sich zunächst die Frage, wie eine artgerechte Haltung beim Pferd überhaupt aussieht. In erster Linie geht es dabei vor allem um eine adäquate Fütterung. Die Verdauung der Vierbeiner ist besonders empfindlich, weshalb unbedingt darauf geachtet werden soll, dass ein Pferd das richtige Futter bekommt. Dieses ist weder zu reichhaltig, denn dann drohen Krankheiten wie Hufrehe, noch zu karg, denn sonst treten Mangelerscheinungen aus. Ferner muss das Pferd stets die Möglichkeit haben, zu ausreichend frischem Wasser gelangen zu können.

Doch eine artgerechte Haltung ist vielmehr als nur eine passende Fütterung. Da es sich bei Pferden um Fluchttiere handelt, ist es wichtig, dass sich die Verbeiner auch bewegen können. Ein Paddock oder die Möglichkeit, auf eine Weide nach draußen zu gelangen, sind optimal, damit das Pferd genügend Auslauf bekommt. Selbstverständlich sollten Pferde entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihres gesundheitlichen Zustandes auch gefordert werden: Ob reiten, spazieren gehen oder ein Einspannen vor die Kutsche: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um die Tiere aktiv zu halten. Eine artgerechte Haltung beinhaltet ebenfalls die Option, dass das Pferd auch seinen sozialen Bedürfnissen nachgehen kann und andere Pferde sieht bzw. sich mit diesen die Weide oder das Paddock bzw. den Stall teilt.

Darum werden SOS-Pferdehilfe Vereine benötigt

Nicht alle Halter von Pferden sind pflichtbewusst und kennen und kümmern sich um die Bedürfnisse der Tiere. Leider noch zu oft müssen Helfer der SOS-Pferdehilfe eingreifen. (#2)

Nicht alle Halter von Pferden sind pflichtbewusst und kennen und kümmern sich um die Bedürfnisse der Tiere. Leider noch zu oft müssen Helfer der SOS-Pferdehilfe eingreifen. (#2)

Auch wenn zum einen der Gesetzgeber eine artgerechte Tierhaltung fordert und zum anderen zahlreiche Pferdehalter sich für das Wohl ihres Tieres engagieren, gibt es immer wieder Ausreißer und schwarze Schafe, die der SOS-Pferdehilfe wesentliche Arbeit verschaffen. Zumeist handelt es sich bei den Tieren, die vom Amtsveterinär zum Tierschutz oder in die SOS-Pferdehilfe Vereine gebracht werden um verwahrloste Pferde. Diese Tiere tragen in der Regel merklichen physischen Schaden von der schlechten Haltung: Abgemagerte oder stark dehydrierte Pferde werden nicht selten von der SOS-Pferdehilfe aufgenommen.

Neben diesen Schäden, die von einer nicht-artgerechten Haltung kommen, tragen einige Tiere auch starke Verletzungen. Gebrochene Gliedmaßen, die nicht versorgt werden, sind ebenso zu finden wie Fellprobleme und Co. Diese körperlichen Schäden sind das Eine, das Andere sind jedoch die psychischen Schäden, die die Tiere von der Verwahrlosung und der schlechten Haltung tragen. Oftmals sind die Pferde eingeschüchtert, fassen kein Vertrauen zu Menschen oder reagieren verstört auf Geräusche, Gerüche oder diverse Handlungen. Tragen die Tiere einmal einen solchen Schaden bedarf es viel Zeit, Geduld und Mühe, dass die Tiere wieder vertrauen zu Menschen fassen können.

Die Aufgaben der Tierschutzvereine

Die SOS-Pferdehilfe und zahlreiche Tierschutzvereine kümmern sich um das Wohl verwahrloster Tiere. Dabei handelt es sich zumeist um Pferde, die aufgrund von nicht-artgerechter Haltung, Verletzungen oder Krankheiten Hilfe brauchen. Dies muss nicht immer mit dem Halter zusammenhängen:

 In manchen Fällen leiden die Tiere ebenfalls, weil der Besitzer unerwartet in eine finanzielle oder anderweitige Notlage geraten ist.

In manchen Fällen leiden die Tiere ebenfalls, weil der Besitzer unerwartet in eine finanzielle oder anderweitige Notlage geraten ist.(#4)

Ein plötzlicher Verlust der Arbeitsstelle und damit zusammenhängende finanzielle Einbußen sind beispielsweise ein Grund, weshalb ein Pferd nicht mehr länger adäquat versorgt werden kann. Je nach Wohnort und den individuellen Anforderungen können sich die Unterhaltskosten für ein Pferd auf mehrere Hundert Euro belaufen. Auch in einem solchen Fall helfen der Tierschutz sowie diverse SOS-Pferdehilfe Vereine.

Viele Vereine vom Tierschutz oder der SOS-Pferdehilfe unterhalten eigene Ställe, wo die Tiere ausreichend Auslauf genießen können und sowohl mit Futter als auch mit Wasser gut versorgt sind. Ehrenamtliche Helfer kümmern sich bei der SOS-Pferdehilfe um das Wohl der Tiere und sorgen dafür, dass die Vierbeiner wieder Vertrauen zu Menschen fassen können. Auch wenn das Glück der Erde dem Sprichwort zufolge auf dem Rücken der Pferde liegt, sorgen sich die Helfer aus dem Tierschutz zunächst bei Spaziergängen und durch langsame Annäherung an die Tiere um die Pferde. Viele Vereine haben es sich zum Ziel gesetzt, den Tieren eine artgerechte Haltung und eine respektierende Versorgung zukommen zu lassen.

Die Faszination, die von Pferden ausgeht

Pferde sind faszinierende Tiere, die bereits seit mehreren Jahrtausenden domestiziert werden. Während Esel schon länger als Lasttiere eingesetzt wurden, lässt sich die Domestizierung von Pferden etwa aus das dritte Jahrtausend vor Christus datieren. Pferde fallen insbesondere durch ihren scheinbar unproportionierten Körperbau auf: Während die Beine besonders lang und dünn sind, zeigt sich der Körper massiger. Gleichermaßen sticht der Kopf der Tiere ins Auge, der ebenfalls überproportional groß ist. Beim Pferd handelt es sich von Natur aus um ein Fluchttier, das heißt, dass die Vierbeiner besonders ängstlich sind und Gefahren im wahrsten Sinne des Wortes davon laufen. Genau diese Eigenschaft machen sich die Menschen seit jeher zu eigen und profitieren von der Ausdauer der eleganten Fluchttiere.

Während die massigeren Pferde vornehmlich zum Ziehen von Kutschen und Arbeitsgeräten eingesetzt wurden, waren die schmaleren Tiere seit jeher beliebt zum Reiten. Zahlreiche Völker auf dem gesamten Globus profitierten von einem domestizierten Pferd: Man denke hierbei sowohl an die Indianer als auch die Cowboys sowie ferner an die Kavallerien im Ersten Weltkrieg oder die reitenden Völker im nahen und Fernen Osten. Die Beliebtheit des Pferdes als Reit- und Nutztier ist in der Welt weit verbreitet. Die Faszination, die von den starken Vierbeinern ausgeht, ist dabei nicht zu leugnen. Kein Wunder also, dass sich auch Vereine wie die SOS-Pferdehilfe und andere Tierschutzorganisationen dem Schutz der sensiblen Tiere verschrieben haben.

SOS-Pferdehilfe: Vielfältige Diskussionen zum Thema Tierschutz

Tierschutz – dieses Schlagwort ist ebenso wichtig wie auch vielfältig interpretiert. Viele Vereine und gemeinnützige Organisationen setzen es sich zum Ziel, aktiven Tierschutz zu praktizieren, dennoch funktioniert dies nicht immer. Wie auch bei den Tierhaltern gibt es auch unter den verschiedenen Tierschutz Vereinen und SOS-Pferdehilfe Gemeinschaften immer wieder schwarze Schafe. Kontrovers diskutierte Vereine zogen auch in jüngster Vergangenheit die Aufmerksamkeit auf sich. Während die Tierschützer für ein Wohl der Pferde plädieren und den Tieren an einem neuen Ort ein artgerechtes Zuhause ermöglichen möchten, ertönen von anderen Seiten die Vorwürfe: Verendete Tiere, dreckige Stallungen und nicht-artgerechte Haltung alles zugunsten von Spendengeldern lauten hier die Anschuldigungen.

Gerade, wenn es um das Thema Tierschutz geht, sind die Fronten oftmals verhärtet. Halter, denen aufgrund von mangelnder Versorgung die Tiere genommen wurden, sind oftmals genauso aufgebracht wie Tierschützer, sie sich aktiv dafür einsetzen, die Pferde artgerecht zu halten und viel Zeit und andere Ressourcen in die Tierpflege investieren. Emotionale Reaktionen prägen hierbei das Bild, wobei sich die Auseinandersetzungen vielmals aufschaukeln. Fakt ist: Eine artgerechte Haltung der Tiere muss in jedem Fall vonseiten der privaten als auch geschäftlichen Halter gewährleistet sein. Ebenfalls stehen die Tierschutzvereine in der Pflicht, den Pferden eine bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen. Wer eine artgerechte Haltung der eigenen Tiere nicht gewährleisten kann, der wird die Pferde früher oder später verlieren.

Freiwillige und ehrenamtliche Helfer

Bei Mangelerscheinungen sorgen Helfer der SOS-Pferdehilfe mit einer artgerechten Fütterung für ein Erholen und ein Wiedereintreten des Wohlbefindens des Pferdes. Auch das Vertrauen zum Menschen muss oft völlig neu aufgebaut werden. (#3)

Bei Mangelerscheinungen sorgen Helfer der SOS-Pferdehilfe mit einer artgerechten Fütterung für ein Erholen und ein Wiedereintreten des Wohlbefindens des Pferdes. Auch das Vertrauen zum Menschen muss oft völlig neu aufgebaut werden. (#3)

Sind die Tiere einmal vom Halter entfernt worden und in der SOS-Pferdehilfe angekommen, wird alles Erdenkliche getan, um die Pferde möglichst schnell wieder aufzupäppeln. Wunden und Verletzungen werden versorgt, Krankheiten vom Tierarzt behandelt. Einer Mangelernährung wird durch eine artgerechte Fütterung mithilfe von speziellen Futtermitteln entgegengewirkt. Damit sich die Tiere wieder wohlfühlen und erneut Vertrauen fassen können, kümmern sich viele Helfer nicht nur um die Säuberung der Ställe und um die Fütterung der Tiere, sondern auch um deren Sozialverhalten und Auslauf, beispielsweise durch Spaziergänge mit Halfter und Führstrick. Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes oder eines Sozialen Jahres leisten einige freiwillige Helfer auch ihren Dienst bei der SOS-Pferdehilfe ab.

Der Tierschutz und die Vereine der SOS-Pflegehilfe leben in der Regel von dem Engagement freiwilliger Helfer, die sich zumeist ehrenamtlich betätigen. Oftmals sind gemeinnützige Vereine nicht gewinnorientiert ausgerichtet und finanzieren sich zumeist durch Spendengelder oder diverse Fördermittel – alles zum Zwecke des artgerechten Tierschutzes. Artgerechter Tierschutz hinsichtlich des physischen und psychischen Wohls der Stuten, Hengste, Wallache und Fohlen. Doch die SOS-Pferdehilfe ist nicht die Endstation für die Tiere – im Gegenteil: Ähnlich wie ein Tierheim für Haustiere versteht sich der Tierschutz bzw. die Vereine der SOS-Pferdehilfe als Zwischenstation für die Vierbeiner. Hier sollen die Tiere durch eine artgerechte Haltung und gezieltes Aufpäppeln wieder für das normale Leben auf dem Hof fit gemacht werden.

So geht es weiter nach der SOS-Pferdehilfe?

Nach der SOS-Pferdehilfe geht es weiter, und zwar auf einem ganz regulären Hof. Dies hängt in erster Linie auch von der Gesundheit der Tiere ab. Kann das Pferd noch geritten werden oder soll es nur noch sein Gnadenbrot auf einem Hof bzw. in einem Stall erhalten? Ziel ist es jedoch, die Tiere so zu pflegen und die physische Konstitution wieder so

Nach der SOS-Pferdehilfe geht es weiter, und zwar auf einem ganz regulären Hof. Dies hängt in erster Linie auch von der Gesundheit der Tiere ab. (#5)

Nach der SOS-Pferdehilfe geht es weiter, und zwar auf einem ganz regulären Hof. Dies hängt in erster Linie auch von der Gesundheit der Tiere ab. (#5)

herzustellen, dass das Pferd an einen neuen Besitzer, der es gut mit ihm meint, weitervermittelt werden kann. Auch bei den Kosten ähnelt die SOS-Pferdehilfe einem ganz normalen Tierheim für Haustiere. Eine Aufwandsentschädigung, die in erster Linie die Kosten, welche für die Behandlung des Tieres anfallen, decken soll, wird von dem neuen Besitzer verlangt.

Viel wichtiger als der Preis, der der neue Besitzer für das Tier zahlt, ist jedoch die neue Heimat, die der Besitzer dem Tier bieten kann. Hierbei achten die Tierschutzorganisationen und die SOS-Pferdehilfe Vereine darauf, dass das Pferd in seinem neuen Zuhause wirklich genügend Auslauf hat und unter guten Bedingungen leben kann: Ein sauberer Stall, frische Einstreu, Wasser, gutes Futter und eine erfahrende Hand, die weiß, wie mit Tieren, die Einiges durchlebt haben, umgegangen werden muss, sind die Grundvoraussetzung. Erfahrung ist hierbei jedoch nicht alles: Auch Pferdehalter, die viel Geduld und Verständnis für ein Pferd aus der Pferdehilfe aufbringen können, sind die geeigneten neuen Besitzer für ein solches Tier.

Pferden in Not ein neues Zuhause geben

Wer Pferden aus dem Tierschutz oder der SOS-Pferdehilfe ein neues Zuhause geben möchte, der sollte sich bewusst sein, dass es hierbei viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen bedarf. Auch dabei gleichen die Tiere den ‚ganz normalen‘ Haustieren aus dem Tierschutz oder dem Tierheim. Haben Pferde oder andere Tiere einmal traumatische Erfahrungen gemacht, ist es essenziell, auf eventuelle Zwischenfälle eingestellt zu sein. Ein lauter Traktor kann dabei ebenso verstörend sein, wie ein rotes Futterfass – jedes Tier hat eine andere Geschichte. Diese Pferde aus Notlagen zu befreien und ihnen ein würdiges Dasein zu schenken, das ist die Aufgabe der SOS-Pferdehilfe Vereine in ganz Deutschland, denen sich viele Helfer mit Herzblut und enormen Engagement widmen.


Bildnachweis: © unsplash.com – Titelbild David Schertz, #1 Ian Schneider, #2 Elijah Henderson, #3 Annie Spratt,#4 purplequeue-#5 Hunta_

Über Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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