Veterinäramtskontrollen im Nachhinein sinnlos

20.01.2010 | Gerlingen
PETA reagiert auf Wiesenhof-Rechtfertigung

Vier Veterinärämter hätten inzwischen bestätigt, dass die Tierquälerei-Vorwürfe gegen Wiesenhof haltlos seien, verbreitete das Unternehmen gestern in einer Pressemeldung. Natürlich haben die Amtstierärzte bei ihren Kontrollen im Januar 2010 nicht dieselben Zustände vorgefunden wie diejenigen, die PETA Deutschland e. V. 2009 heimlich gefilmt hat. Denn zum einen kündigen Veterinärämter ihren Besuch an. Zum anderen kontrollieren sie normalerweise nicht die Ausstallungsvorgänge, sondern nur die "normale" Haltung der Tiere. Die von der Tierrechtsorganisation in einer Strafanzeige monierte tierquälerische Verladung der Vögel sowie die Vorgehensweise der Wiesenhof-eigenen Impftrupps bekommen die Kontrolleure so nicht zu sehen. Die heimlich aufgenommenen Fotos und Videos der PETA-Ermittler zeigen dagegen den tatsächlichen, tierquälerischen Alltag.

Was die Twistringer Elterntierfarm betrifft, weist die Tierrechtsorganisation darauf hin, dass hier gerade erst ein komplett neuer Tierbestand eingestallt wurde. Das heißt, die Tiere haben hoffentlich noch alle Federn und sollten gesundheitlich noch in einem einigermaßen guten Zustand sein. Auch diese Tiere werden in wenigen Monaten so kläglich aussehen wie die Tiere in den Undercover-Aufnahmen", sagt Agrarwissenschaftler Dr. Edmund Haferbeck von PETA. Auch bei diesen Tieren wird mit zunehmendem Alter in diesen Haltungssystemen die Todesrate steigen. Das läge auch daran, dass die Hühner in dieser Bodenhaltung ihr gesamtes Leben lang auf ihren eigenen Exkrementen verbringen. Die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen wird so gefördert. "Die Haltung auf dem eigenen Kot ist Standard in der Bodenhaltung", bestätigt Dr. Haferbeck. Die Tierrechtsorganisation erneuert daher ihren Vorwurf der systemimmanenten Tierquälerei in der Geflügelproduktion. Nach dem Skandal um Wiesenhof und die Veröffentlichung der Aufnahmen ist es nicht verwunderlich, dass Wiesenhof jetzt besonders auf Sauberkeit achtet und Hygienevorschriften einhält. "Nachträgliche Kontrollen sind deshalb lächerlich und besagen gar nichts!", fasst Dr. Haferbeck zusammen und kritisiert scharf die Veterinärbehörden, "die auf Fingerschnipp von Wiesenhof antanzen und ihre Persilscheine ausstellen, während sie ansonsten wegsehen." Wenn Wiesenhof nichts zu verbergen hat und alles in Ordnung sei, dann spräche ja nichts dagegen, PETA bei sämtlichen Ausstallungen filmen zu lassen.

Nur einen Tag vor den von PETA gefilmten brutalen Ausstallungs-Szenen war ein Amtsveterinär auf der Twistringer Elterntierfarm und hat die Transportgenehmigung erteilt. Die gewaltsamen Szenen bei der Verladung konnte dies jedoch nicht verhindern. PETA weist weiterhin darauf hin, dass sich Wiesenhof nicht von den Farmleitern getrennt hat, wie das Unternehmen wahrheitswidrig behauptet; sondern dass die Farmleiter das Unternehmen verlassen haben, weil sie nicht länger an den Tierquälereien beteiligt sein wollten. Dies beweist das Kündigungsschreiben und Wiesenhofs Bestätigung des Schreibens, beides liegt PETA vor (s. Anhang). Wiesenhof als wichtigster Bestandteil der global agierenden PHW-Gruppe sei ein heißer Anwärter auf den Titel "Vorzeige-Tierquäler-Konzern der Nation", so PETA.

Quelle: Pressemeldung PETA Deutschland e.V.

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