Verwandter des „Roten Panda“ lebte vor rund 10 Millionen Jahren in Rheinhessen
die etwa 10 Millionen Jahre alten Überreste eines frühen Verwandten des heute nur in Asien vorkommenden „Roten Pandas“ (Katzenbär).
Neben hunderten von Knochenresten verschiedenster Säugetiere wurde im Sommer 2005 bei paläontologischen Grabungen in Eppelsheim die linke Unterkieferhälfte eines zunächst unbekannten Raubtieres (Carnivora) entdeckt. Die Bearbeitung des Stückes durch Paläontologen des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt am Main unter Federführung von Dr. Ottmar Kullmer ergab, dass es sich um das Fossil einer sehr seltenen, weltweit ausgestorbenen Tierart mit dem wissenschaftlichen Namen „Simocyon diaphorus“ handelt.
„Diese Art wurde bereits 1832 von dem Darmstädter Paläontologen Kaup aus Eppelsheim beschrieben. Heute existiert von diesem Fundstück nur noch ein Abguss im Museum of Natural History in London“, weiß Dr. Ottmar Kullmer zu berichten. Der nun erbrachte Fund ist also weltweit das einzige Original-Belegstück für die Existenz dieser Art und gibt Auskunft über die frühe Entwicklungsphase der Katzenbären (Ailuridae). „Die zu den Katzenbären gehörende Unterfamilie der Simocyoninae mit bislang vier bekannten Arten der Gattung Simocyon ist heute weltweit ausgestorben - dies unterstreicht die enorme Bedeutung des Fundes“, so Thomas Engel vom Naturhistorischen Museum Mainz. Der einzige heute noch lebende Vertreter der Katzenbären ist der vom Aussterben bedrohte Rote Panda (Ailurus fulgens). Seine Verbreitung beschränkt sich auf den östlichen Himalaya von Nepal bis Myanmar. Außerdem kommt er noch in China im Bergland von Yunnan und Sichuan vor.
Während sich der heutige asiatische Verwandte vorrangig von Bambusschösslingen, Gräsern, Wurzeln, Früchten und Beeren ernährt, beweist der kräftige Brechzahn im Gebiss der fossilen Formen, dass sich die rheinhessischen Vorläufer eindeutig auf Fleischnahrung eingestellt hatten. Somit belegen die Fossilien, dass die durch Pflanzennahrung bedingten Veränderungen in den Zahnstrukturen der heutigen Roten Pandas eine Spezialisierung darstellen.
Historisch repräsentiert die Lokalität in der Gemarkung Eppelsheim südlich von Alzey eine der ältesten Fossilfundstellen in Europa mit Überresten von Säugetieren aus einer Zeit vor 10 Millionen Jahren. Schon seit dem 18. Jahrhundert haben Arbeiter in den Sandablagerungen des Urrheins in Rheinhessen in lokalen Sandgruben fossile Knochen und Zähne einer urzeitlichen Tierwelt entdeckt. So sind zahlreiche ausgestorbene Tierarten in den vergangenen 200 Jahren aus diesen Flusssanden beschrieben worden. Darunter z. B. auch das merkwürdige Rüsseltier Deinotherium, das den Sanden ihren Namen „Dinotheriensande“ einbrachte. Mit nach unten gebogenen Stoßzähnen im Unterkiefer war der so genannte Rhein- oder Hauerelefant eine Sensation und ist heute das Wappentier des Naturhistorischen Museums und der Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz in Mainz, der Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft sowie des Fördervereins Dinotherium e.V. in Eppelsheim.
Quelle: Pressemeldung Landeshauptstadt Mainz Amt für Öffentlichkeitsarbeit
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