Raubbau am Meer stoppen

07.06.2010 | Berlin
Zum Welttag der Ozeane warnt der WWF vor der fortschreitenden Industrialisierung und Plünderung der Weltmeere. Die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verdeutliche welche Risiken mit der zunehmenden Förderung von Rohstoffen auf dem Meer verbunden sind.

Verschmutzungen durch Industrieabwässer und Schifffahrt, Düngemitteleintrag aus der Landwirtschaft, sowie Überfischung durch industrielle, weltweit operierende Fangflotten bedrohen die Weltmeere zusätzlich.

Der WWF fordert ein Netz aus Meeresschutzgebieten, um besonders sensible marine Ökosysteme zu schützen. Die Ozeane bedecken 70 Prozent der Erdoberfläche, bislang steht weniger als ein Prozent der Meere unter Naturschutz.

"Wir können die Schatztruhe der Meere nicht weiter rücksichtslos plündern", sagt Stephan Lutter, Meeresschutzexperte beim WWF. "Insbesondere für Offshore-Förderanlagen und Schifffahrt muss es Nutzungseinschränkungen und strengere Sicherheitsvorgaben geben, um Umweltkatastrophen vorzubeugen." Die Rohstoffgewinnung aus dem Meer spielt angesichts zunehmend erschöpfter Quellen an Land eine wachsende Rolle in der Weltwirtschaft. Rund 30 Prozent des Rohöls stammt schon heute von Förderanlagen im Meer. Rund 400 Bohrplattformen gibt es allein in der Nordsee. Im Normalbetrieb gelangen hier jährlich 14.000 Tonnen Öl ins Wasser. Hinzu kommen giftige Bohrschlämme und Chemikalien. Westlich der britischen Inseln, vor den Färöer Inseln und in der Barentssee sind zudem neue Förderanlagen geplant, die Öl aus bis zu 1000 Metern Tiefe gewinnen sollen. In diesen Tiefen wäre man im Notfall genau wie am Golf von Mexiko auf den Einsatz von Robotern bei den Reparaturarbeiten beschränkt.

Bislang wird auf Meeresschutzgebiete und besonders empfindliche Lebensräume auch hierzulande wenig Rücksicht genommen. Die Plattform Mittelplate fördert mithilfe einer Ausnahmegenehmigung seit 1985 Öl im Nationalpark Wattenmeer. Mitten in den NATURA 2000 Schutzgebieten Sylter Außenriff und Östliche Deutsche Bucht wurde der Abbau riesiger Mengen Sand und Kies genehmigt, die Zerstörung artenreicher Lebensräume wird dabei in Kauf genommen. Das vom WWF eingereichte Beschwerdeverfahren ist seit zwei Jahren anhängig.

Zu den größten Bedrohungen für die Meeresumwelt gehören die Überfischung und zerstörerische Fangmethoden wie der Einsatz von Bodenschleppnetzen. Obwohl zehn Flächen in Nord- und Ostsee in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands als Meeresschutzgebiet ausgewiesen sind, ist die Fischerei in allen diesen Gebieten zugelassen. "Zum Schutz der Artenvielfalt in unseren Meeren sind auch fischereifreie Zonen und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände nötig " sagt Stephan Lutter, WWF Experte für Meeresschutz. "Die Ressourcen der Meere sind endlich und das müssen wir bei ihrer Nutzung berücksichtigen."

Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland

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