Neue Lösung zur Kontrolle von Malaria
Die Produkte, von denen das erste nächstes Jahr erwartet wird, werden vor allem helfen, Malaria in Gebieten einzudämmen, in denen Moskitos bereits resistent gegen existierende Lösungen geworden sind. Die neuen Produkte werden sowohl Wandsprays für Innenräume, als auch Moskitonetze, die mit einem langwirksamen Insektizid imprägniert wurden, umfassen (long-lasting insecticide treated nets - LLIN). Die imprägnierten Moskitonetze gelten als eine der effizientesten Methoden, um Malaria vorzubeugen. Sie bilden eine physische Barriere, um Stechmücken wie Moskitos von Menschen fernzuhalten und das Insektizid garantiert nach dem Kontakt der Mücke mit dem Netz, dass sie betäubt wird und stirbt.
Eine erste Testserie hat die Wirksamkeit von Chlorfenapyr gegen Moskitos bestätigt, die gegen Insektizide resistent sind, die im Moment in der öffentlichen Gesundheitsvorsorge eingesetzt werden. Gemeinsam mit dem IVCC sind die Forscher des LSHTM für weitere Labortests und Feldstudien mit Chlorfenapyr verantwortlich, während die BASF die Entwicklung, die Registrierung und Zulassung sowie den Vertrieb der Produkte übernimmt.
Die Ausbildung von Resistenzen gegen vorhandene Insektizide ist eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheitsvorsorge. Den Behörden stehen zur Kontrolle von Stechmücken, die den Malariaerreger übertragen, im Moment nur vier Wirkstoffklassen zur Verfügung. Gleichzeitig steigt die Zahl der Insekten, die gegen eine Behandlung mit Insektiziden Resistenzen ausbilden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass die Einführung des letzten Wirkstoffs für Insektizide, der zur Kontrolle gegen Malaria entwickelt wurde, bereits 23 Jahre zurückliegt Heutzutage werden alle nachhaltig insektizidwirksamen Moskitonetze (LLIN), die mit einem langwirksamen Insektizid imprägniert wurden, mit Wirkstoffen aus der chemischen Klasse der Pyrethroide beschichtet. Pyrethroide hemmen Strukturen am zentralen Nervensystem der Insekten. Dieser Wirkmechanismus liegt auch vielen anderen Insektiziden zugrunde. Der neue Wirkstoff Chlorfenapyr gehört zur chemischen Klasse der Pyrrole, die den Energiestoffwechsel der Zellen unterbrechen.
Auch wenn die Anwendung von Chlorfenapyr im Gesundheitswesen eine Innovation darstellt, hat sich dieser Wirkstoff im Bereich Pflanzenschutz schon seit vielen Jahren als wirksame und sichere Substanz bewährt. Tatsächlich sind alle Insektizide, die für den Einsatz in der öffentlichen Gesundheitsvorsorge entwickelt wurden, ursprünglich für den Einsatz in der Landwirtschaft entwickelt worden. Die Entwicklung eines neuen Wirkstoffes dauert etwa zehn Jahre und kostet rund 200 Millionen Euro. Im begrenzten Markt der Gesundheitsvorsorge stehen kaum Investitionsmittel für solche Entwicklungen zur Verfügung.
Immer noch bedeutet der Transfer einer Anwendung eines Wirkstoffes aus dem Pflanzenschutz in die Anwendung für öffentliche Gesundheitsvorsorge hohe Investitionen und viel Arbeit. Vor allem erfordert dies die Entwicklung von neuen Formulierungen und eine Vielzahl von zusätzlichen Risikostudien, um eine entsprechende Zulassung und Registrierung zu erreichen.
Die strategische Forschungskooperation zwischen BASF, IVCC und LSHTM vereint gemeinsame Expertise und langjährige Erfahrung in der Vektorkontrolle. Dr. Egon Weinmüller, Leiter des Bereiches Öffentliche Gesundheitsvorsorge von BASF erläutert die Ziele: "Wir hoffen, mit unserer Kooperation schon sehr bald innovative und wirksamere Produkte für die Gesundheitsvorsorge zur Verfügung zu stellen. Diese neue Generation von Produkten wird noch effektiver helfen, die Ausbreitung von Malaria und anderen Erkrankungen zu bekämpfen. Ich hoffe, dass wir mit dieser Nachricht alle Beteiligten der Gesundheitsvorsorge in ihrem Kampf gegen Tropenkrankheiten zusätzlich motivieren können und dass dadurch auch der "World Malaria Day" am 25. April noch mehr Aufmerksamkeit bekommt."
Dr. Robert Sloss, Portfoliomanager für Produkte im Bereich Public Health beim IVCC, betont: "Die effektive Vektorkontrolle ist eine der zentralen Säulen im Kampf gegen Malaria. Neue Lösungsansätze, die das momentan verfügbare Wirkstoffarsenal der Malaria-Kontrollprogramme sichern und erweitern, sind essentiell. Nur so können wir die ständig zunehmende Resistenzbildung in den Griff bekommen. Mit diesem gemeinsamen Projekt zeigen wir, dass mit einer Anschubfinanzierung in der Startphase innovative Lösungsansätze entwickelt werden können und dass unser Konzept der strategischen Partnerschaft zur Produktentwicklung auch wirklich funktioniert."
BASF vertreibt seit 2007 insektizid-beschichtete Moskitonetze namens Interceptor". Im Jahr 2009 erhielt die LSHTM den Preis der Gates-Stiftung für herausragende Forschungsarbeiten und ihren Beitrag zur Kontrolle von Erkrankungen in Entwicklungsländern.
Quelle: Pressemeldung BASF SE
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