Lindemann: BMELV legt Tierversuchszahlen 2008 vor

23.10.2009 | Berlin
Ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung ist es, Tierversuche auf das unerlässliche Maß zu beschränken und alles Erforderliche zu unternehmen, um Tierversuche durch Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu ersetzen sowie die Belastungen des einzelnen Tieres im Versuch zu reduzieren.

"Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist es leider noch nicht möglich, auf die Durchführung von Tierversuchen, trotz des vermehrten Einsatzes von Alternativmethoden, zu verzichten", sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Gert Lindemann, anlässlich der Vorstellung der Tierversuchszahlen 2008 heute in Berlin. Bei Krankheiten würden die Menschen wirksame Medikamente und sichere Heilungsmethoden erwarten, so Staatssekretär Lindemann. Ebenso werde vorausgesetzt, dass die auf dem Markt angebotenen Stoffe und Produkte ausreichend geprüft worden sind, so dass eine Gefährdung von Mensch, Tier und Umwelt ausgeschlossen werden kann.

Auch in diesem Jahr wird das BMELV die Tierversuchszahlen mit einem Expertengremium analysieren und prüfen, in welchen Bereichen möglicherweise Einsparpotential besteht beziehungsweise die Bemühungen zur Alternativmethodenforschung intensiviert werden sollten. Innerhalb der Europäischen Gemeinschaft leistet Deutschland einen großen Beitrag für die Erforschung und Akzeptanz tierversuchsfreier Prüfmethoden. Sowohl das Förderprogramm zur Entwicklung von Ersatzmethoden zum Tierversuch des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als auch die Zentralstelle zur Erfassung und zur Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET), die in diesem Jahr bereits ihr 20-jähriges Bestehen feiert, nehmen eine herausragende Stellung in Europa ein.

Für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke wurden im Jahr 2008 in Deutschland 2.692.890 Wirbeltiere eingesetzt. Die Steigerung um 3,2 Prozent ist unter anderem auf Versuche für die Erforschung oder Entwicklung von Produkten, Geräten oder Verfahren für Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin zurückzuführen. Seit Jahren steigt auch die Zahl der Tiere, deren Organe oder Gewebe nach dem Töten zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden, ohne dass zuvor Eingriffe am lebenden Tier stattgefunden haben. Diese werden unter anderem zur Erforschung und Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch genutzt. 2008 betrug der Anteil der zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere etwa ein Viertel aller verwendeten Tiere.

Für welche Zwecke werden Tiere eingesetzt?

Für die Erforschung von Erkrankungen von Menschen oder Tieren wurden 54 Prozent der Tiere eingesetzt. 18,4 Prozent der Tiere wurden für gesetzlich vorgeschriebene Versuche bei der Herstellung oder Qualitätskontrolle von Produkten für die Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin beziehungsweise für toxikologische Sicherheitsprüfungen eingesetzt. Von den eingesetzten Katzen wurden über 80 Prozent der verwendeten Tiere für die Erforschung von Tierkrankheiten eingesetzt. Affen wurden zu über 80 Prozent für toxikologische Untersuchungen und andere Sicherheitsprüfungen von Produkten und Geräten für die Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet.

Welche Tierarten werden eingesetzt?

Die größte Gruppe der Versuchstiere mit fast 86 Prozent stellen die Nagetiere, insbesondere Mäuse und Ratten. Während die Zahl der Mäuse konstant steigt, verringert sich die Zahl der eingesetzten Kaninchen seit dem Jahr 2000 kontinuierlich. Die Zahl der Affen und Halbaffen reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um 202 auf 2.285 Tiere. Menschenaffen wurden in Deutschland zuletzt 1991 verwendet. Bei Hunden und Katzen ist gegenüber 2007 ein Rückgang zu verzeichnen.

Quelle: Pressemeldung Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)

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