Aigners Aal-Show

26.05.2010 | Berlin
Rund 65.000 junge Aale wird Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner heute in der Havel aussetzen, mit dem Ziel, den Bestand der Tiere in den Flüssen zu stärken. Der WWF kritisiert den deutschen Managementplan für Aal als nicht wirksam. "Diese Aktion nützt höchstens dem Angler. nicht dem Aal" kommentiert Heike Vesper, WWF-Fischereiexpertin die Maßnahme.

"Der Aal vermehrt sich nicht in unseren Flüssen. Wer hier wertvolle Glasaale aussetzt, muss dafür sorgen, dass die Fische unbeschadet zum Laichen ins Meer abwandern können." Der Europäische Flussaal steht vor dem Aussterben. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hatte im Herbst einen maximalen Schutz für den Aal empfohlen. Die Jungtierpopulation ist seit den achtziger Jahren um 90 Prozent geschrumpft.

Aale lassen sich nicht züchten. Die Glasaale für Besatzmaßnahmen werden zuvor dem Wildbestand entnommen, und in Flüssen wieder ausgesetzt. Wissenschaftler beurteilen den Erfolg reiner Besatzmaßnahmen wie im deutschen Managementplan kritisch, da ungewiss ist, ob die Tiere je ihre 5000 km entfernten Laichgründe erreichen und zum Erhalt der Art beitragen können. "Ohne Fischereiverbot und passierbare Wasserverbauungen bleibt das Aussetzen von Aalen in deutschen Flüssen wirkungslos für den Schutz der stark gefährdeten Art. " sagte WWF Expertin Vesper weiter.

Ziel des Anfang April in Kraft getretenen deutschen Managementplan für den Aal ist es, die Zahl der ins Meer abwandernden Aale auf 40 Prozent der ursprünglichen Aalpopulation zu steigern. Um dieses Schutzziel zu erreichen, sind nach Einschätzung des WWF ein Fangstopp, Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums und der Durchlässigkeit der Wanderrouten der Aale dringend erforderlich. Alle diese Maßnahmen sind im Aal-Managementplan nicht oder unzureichend berücksichtigt.

Aufgrund seines komplexen und von langen Wanderungen geprägten Lebenszyklus ist der Aal mehrfachbedroht: Neben der Fischerei tragen die Schadstoffbelastung vieler Gewässer, sowie Lebensraumverlust durch schwindende Feuchtgebiete zur Gefährdung bei. Flussbebauungen wie Dämme, Wehre und Turbinen können für erwachsene Aale zu tödlichen Hindernissen auf der langen Wanderung durch Europa werden. Aal-Larven schlüpfen in der Sargassosee und durchqueren in einer 5.000 Kilometer langen Wanderung den Atlantik. Als 7 cm lange Glasaale erreichen sie nach ca. drei Jahren Europa, wandern die Flussmündungen hinauf, wo sie im Süßwasser ca. 10-20 Jahre bis zur Geschlechtsreife heranwachsen. Um sich ein einziges Mal im Leben zu reproduzieren, kehren die erwachsenen Aale durch Flüsse und den Atlantik in die Sargassosee zurück, wo sie nach dem Ablaichen sterben.

Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland

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